Zwiegespalten

“Zwiegespalten” – was für ein herrliches Wort! Denn vielleicht trifft das meine Persönlichkeit ganz gut. Gerade eben erinnere ich mich an zwei Situationen, in denen Menschen zu mir sagten, ich sei so zwiegespalten, sie könnten an mir zwei ganz unterschiedliche Seiten wahrnehmen. Das waren Menschen, die mich nicht kannten, sondern mich auf Seminaren unterschiedlichster Art kennenlernten und erlebten. An Silvester 2016/17 sagte mir jemand, er sei fasziniert von mir, weil ich einerseits so angepasst und andererseits so subversiv sei wie er es noch nie an jemandem erlebt hätte.

Meinem Backenzahn war´s zuviel

Und ja, da hat dieser Mensch wohl etwas Richtiges beobachtet. Ebenso die andere Dame, die an mir wahrzunehmen meinte, dass ich einerseits so wenig an mich glaube und andererseits sehr selbstbewusst sei; dass das für sie irgendwie überhaupt nicht zusammenpasse und sie das irritiere. Vielleicht ist es ja das, was mich so anstrengt. Einem meiner Backenzähne wurde es jedenfalls zuviel und er hat sich verabschiedet, ist abgestorben. Obwohl das eigentlich gar nicht so amüsant ist, amüsiere ich mich gerade darüber. Denn dieser Backenzahn zeigt mir gerade zusätzlich, dass ich älter werde und mich im Verfall befinde – haha, Scherz. Oder eben unumgängliche Tatsache.

Komisch, aber schön

Im Moment denke ich mir wieder, das Leben ist komisch, aber doch auch schön irgendwie: in all diesen skurrilen, seltsamen Erfahrungen und Umwegen, die wir machen, während wir irgendwelche Ziele anstreben, die sich mit uns verändern und deshalb vor uns her wandern wie die Karotte vorm Esel. Mein Backenzahn hat mich jedenfalls ein bisschen geerdet die letzten Tage, durch die ich wieder weiß, dass ein Leben ohne Schmerzen alles ist, was wir uns wünschen können. Für alles andere, was wir daraus machen, dafür sind wir selbst verantwortlich.