Wir formen mit selbstgeformten Formen

Während das Leben so vor sich dahin plätschert, denke ich immer wieder auch darüber nach, was ich hier auf meinem Blog geschrieben habe. Merkwürdig ist, dass ich teilweise eine Art schlechtes Gewissen spüre bezüglich meiner Äußerungen zum Christentum. Aber dann denke ich mir, dass das einfach nur meine Prägung ist; diese tief eingegrabene Prägung vorhergehender Generationen, dass nur gut (und ungefährlich) ist, was christlich ist. Und mir wird immer wieder bewusst, wie schwierig es ist, sich guten Gefühls von diesen Prägungen zu befreien.

Kultur prägt

Die Kultur, in der wir aufgewachsen sind, verbunden mit der vorherrschenden Religion, prägt uns; ob wir wollen oder nicht. Ich bezweifle sogar, ob uns freies, eigenes Denken überhaupt möglich ist, wenn wir uns nicht ganz bewusst und intensiv mit Übernommenem auseinandersetzen, uns die Mühe machen, es zu hinterfragen, und unseren eigenen Gedankengängen folgen. Wobei auch hier schon die Frage ist, was “eigene Gedankengänge” überhaupt sind? Sind sie doch von klein auf durchdrungen und geformt von der Gesellschaft, in der wir groß geworden sind.

Selbst die Sprache ist nicht neutral

Seit meiner Everett-Lektüre geht mir auch nicht aus dem Kopf, dass selbst unsere Sprache sich aufgrund unserer Kultur so und nicht anders entwickelt hat. Die Pirahã im brasilianischen Urwald haben eine völlig andere Sprache, die in ihrer Logik von uns wahrscheinlich nicht komplett zu durchdringen ist, weil wir von Grund auf schon ganz anders denken als sie. Sprache bildet unser Bild von Wirklichem ab, aber nie die Wirklichkeit selbst, die wir nicht kennen.

Vorgefundene Formen umformen

Wir formen also unsere Wirklichkeit mit Formen, die selbst wiederum bereits von uns geformt sind. Dabei müssten wir eigentlich diese zugrundeliegenden Formen mal genau unter die Lupe nehmen, mit denen wir formen. Vielleicht müssten wir diese erstmal umformen? Aus eckigen Klötzen wird nie eine Kugel werden. Bestimmt am Ende gar das, was wir finden wollen, weil wir davon ausgehen, dass es so ist, unsere Fundstücke? Womit ich wieder bei meinen skurrilen Gedanken vom 28. September 2018 angekommen bin…