Völlig andere Sichtweise

Man sagt ja immer, es sei höchst uncool, auf die eigene Homepage zu schauen. Aber ich gebe zu, dass ich ab und zu lese, was ich vormals so auf meinem Blog geschrieben, worüber ich mir Gedanken gemacht hatte. Beim Aufräumen am Wochenende sah ich die zwei noch auf meinem Schreibtisch liegenden Whitehead-Bücher und las daraufhin meine Blogposts rund ums Thema Freiheit.

Bäume und große Zeiträume

Als ich dann gestern Nachmittag einen ausgiebigen Spaziergang mit Hund im Englischen Garten machte und die hohen schönen Bäume so stehen sah, dachte ich mir wieder: Was hat es damit auf sich, dass Bäume in viel größeren Zeitspannen leben? So wie Insekten dagegen in viel kleineren? Und weshalb maßen wir uns an, alles von uns aus zu beurteilen? Wir betreiben Forschung aus unserer Perspektive und meinen, wir könnten das Ganze überblicken.

Unabänderlich, alles in festen Bahnen

Der Knackpunkt oder der “Störpunkt” in puncto Freiheit ist, dass alles den unabänderlichen Naturgesetzen unterliegt. Das haben wir alle so gelernt; das bestätigen immer wieder die physikalischen Versuche und natürlich auch unsere Alltagserfahrungen. Die Naturgesetze sind festgelegt – man weiß nicht wie, war´s ein Gott oder der Zufall? – und daran gibt es nichts zu rütteln. Deshalb gibt es keine Freiheit, alles ist kausal bedingt. Das weiß doch jedes Kind und erst recht jeder Wissenschaftler.

Gedächtnis Natur(gesetz)?

Bei meiner Schopenhauer-Lektüre letztes Jahr kam es mir schon in den Sinn, aber der Gedanke war so ungeheuerlich, dass ich ihn nicht wirklich zu Ende dachte. In Sheldrakes Buch las ich den Gedanken dann ausgeschrieben: Was, wenn die Naturgesetze gar nicht auf alle Ewigkeit feststehen und nicht zu einem Zeitpunkt festgesetzt wurden? Was, wenn Naturgesetze eher eine Art Gedächtnisleistung der Natur sind, die schon über Jahrmillionen Jahre andauert, und uns Menschen deswegen als ewig, fest und unabänderlich erscheinen? Das ist durchaus denkbar.

Generationsgedächtnisse

Und da dachte ich mir so im Gehen: Wenn Familien und Gesellschaften über Jahrzehnte und Jahrhunderte Überzeugungen und Lebensweisen weitergeben und von Generation zu Generation verfestigen, dann kommt es genau zu diesen Aussagen: “Das war schon immer so. Das ist halt so. Da kann man nichts machen, danach muss man sich richten.” Wenn es dann keine Querschläger gibt, die entgegen jeder Konvention hartnäckig behaupten “es geht auch anders”, dann wird es zwangsläufig eines Tages zu einer Art “Naturgesetz” – z.B. dass Männer wissen, was richtig ist, und Frauen aufgrund ihrer Natur mehr Blödsinn reden. Es gab und gibt ja durchaus Männer, die mit diesem Naturgesetz leben.

Vielleicht gibt es Freiheit ja doch

Scherz beiseite. Ich will damit nur sagen: der Gedanke ist denkbar. Und wenn die Natur quasi eine andere Bewusstseinsspanne verkörpert – oder wie immer man das nennen will -, dann könnte es sein, dass wir die Freiheit der Natur, mit der sie sich ihre (für uns festen) Strukturen schuf, nur nicht nachvollziehen können. Das stünde dann in keinerlei Widerspruch dazu, dass auch wir die Möglichkeit haben, durch Wiederholung und Kreativität relativ frei zu erschaffen, was nach dem Ablauf großer Zeiträume wie unabänderlich festgeschrieben dasteht.

Mein Start in 2020

Mit solchen Gedanken starte ich also ins neue Jahrzehnt und das gefällt mir! Denkt, was Ihr wollt, aber ich glaube, es ist Zeit für eine völlig andere Sichtweise auf die Welt.