Verknüpfte Welt

Seit meinem letzten Stoffdesign-Blogpost denke ich über das Thema der Produktionsketten nach und die Frage, was und ob man überhaupt noch so konsumieren kann, dass man mit gutem Gewissen in den Spiegel sehen kann. Meine Antwort, die ich mir darauf gebe, ist ernüchternd. Denn die Welt ist mittlerweile so verknüpft, dass es schwierig ist. Schwierig, weil der Einzelne die Produktionsketten nicht überblicken kann, weil er aufgrund seiner eigenen finanziellen Möglichkeiten oft keinen großen Entscheidungsspielraum hat und weil wir manches – z.B. neue Technologien – nutzen müssen, wenn wir nicht zu einer absoluten Randgruppe gehören wollen.

In Europa produziert ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei

Als kreativer Mensch wie ich, der obendrein Firmen wie z.B. Redbubble nutzt, kommt noch die Frage hinzu: Wo und wie produziert RB eigentlich? Ich habe nachgesehen und es gibt eine Übersicht, aus welchen Ländern geliefert wird; wobei diese Länder anscheinend auch die Produktionsländer sind. Das sieht ganz gut aus und lässt auf faire Arbeitsbedingungen schließen. Aber wirklich wissen kann ich es natürlich nicht. Neulich las ich einen Artikel über einen Modehersteller, der hauptsächlich in der Türkei und osteuropäischen Ländern nähen lässt. Aber auch hier sind laut des Journalisten die Arbeitsbedingungen und die Gehälter eine Katastrophe. Es geht also nicht in erster Linie um Kontinente, sondern um das Gefälle Reich/Arm. Das Dauerthema der Menschheit. Vermutlich auch mit dem größten Idealismus nicht auszurotten. Was also tun?

Eigentlich eh viel zu viel

Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass auch ich ein Konsument bin, der gerne mal was kauft, einfach weil es schön ist und ein kleines Highlight zwischendurch. Ich brauche nicht jeden Gegenstand und nicht jedes Kleidungsstück wirklich. Manchmal ist es einfach nur die Freude, hübsch auszusehen, Farben zu kombinieren oder eben dazu zu gehören zur Gesellschaft, in der ich lebe. Dass ich im Vergleich zu anderen eh schon ein armer Schlucker bin, das empfinde ich nur manchmal so; im Vergleich, wenn mir überhaupt bewusst wird, wie besser Verdienende in meinem Bekanntenkreis leben. Im Großen und Ganzen habe ich das Gefühl, ich habe wirklich viel. Selbst ich habe eine ganze Wohnung voller Zeug! Und das, obwohl ich die üblichen Freizeitsportarten nicht ausübe, keine Kinderzimmer, Gärten und Garagen habe, die auch noch voll gestellt sind.

Kleine Schritte

Aber vielleicht kann ich doch noch bewusster konsumieren und in kleinen Schritten mein Verhalten ändern. So bin ich auch am Überlegen, ob ich Redbubble so lasse wie bisher oder nicht irgendwie eine andere Lösung finde; zumindest für alles, was aus Stoff ist. Denn die Kunstfaserstoffe haben mir noch nie so zugesagt, auch wenn die Taschen von RB wirklich super praktisch und strapazierfähig sind. Mal sehen. Ich habe schon einige Ideen und an denen wird im Laufe des Jahres fleißig gearbeitet. Manche davon kann ich aufgrund der derzeitigen Situation nicht wie gewollt umsetzen, aber dafür reifen die Überzeugungen und Vorhaben. Ich habe ja schließlich vor, noch etwas länger zu leben.