Sonntags-Sonnenlicht

Es gibt eine ganz besondere Art von Sonnenlicht, das die Welt unerbittlich deutlich zeigt: insbesondere den Staub, der auf allem liegt…

Zuviel Licht macht die Schatten deutlicher

Dieses Sonnenlicht fällt mir – dachte ich mir heute – meistens am Sonntag Vormittag auf. Wenn ich bei den ersten Sonnenstrahlen in meiner Küche sitze und den ersten duftenden Kaffee trinke, dies und das in der Wohnung tue, dann nehme ich auf einmal wahr, wie überall der Staub liegt. Kleine Fusselchen und Fädchen, millimeterklein, aber irgendwie dominant auf den weißen Fliesen und der Badkeramik. Und ich wundere mich, weil ich am Abend zuvor meine Wohnung noch recht sauber fand. Aber dieses Sonnenlicht ist gnadenlos! Dann denke ich mir, dass Staub doch eigentlich irgendwie unsichtbar ist normalerweise. Aber in diesem Licht sieht man ihn, den Staub, in seiner ganzen Deutlichkeit – unerbittlich, gnadenlos…

“Am Staube hängt doch alles”*

Und immer wenn Staub irgendwie zum Thema wird, denke ich an den Artikel* in der Süddeutschen Zeitung vom 9./10. März 2002. Eine Zeit lang schnitt ich interessante oder amüsante Zeitungsartikel aus und heftete sie mir ab. Und so kommt es, dass ich diesen Artikel auch jetzt griffbereit habe. Das Foto dazu: ein sich im Staub gemütlich wälzendes Zebra, voller Lebensfreude über dieses Staubbad!

Vergebliche Mühe

Wenn ich also wieder mal kurz davor bin, an meinen Hausfrauenqualitäten zu zweifeln und zu meinen, ich müsste mehr putzen und saugen, dann krame ich den Artikel raus und weiß: sowieso vergeblich, der Kampf gegen den Staub. Denn da stehen sie, diese Sätze zum Thema Staubsaugen, über die ich mich jedesmal so genüsslich amüsieren kann:
“So werden selbst die sich achtbeinig an den Teppich klammernden Milben in den Beutel gesogen.” “Was kleiner als fünf Mikrometer ist, zum Beispiel Milbenkot, wird durchgepresst und gelangt wieder in die Zimmerluft.” “Bedenkt man, dass der Großstadtmensch am Tag ohnehin mehrere hundert Millionen Staubpartikel einatmet, ist das ein unbedeutender Effekt.” “Und so erweist sich ausgerechnet die penible Jagd nach dem letzten Staubkorn im eigenen Heim als kontraproduktiv.”
Vielen Dank, Axel Bojanowski, für diesen wunderbaren Artikel, der sich in meinem Archiv befindet!

Kurz gewischt und entspannt in einen chilligen Sonntag

Ich hab´ dann mal kurz meine Waschbecken geputzt und das war´s dann aber auch. Lieber ein Mandala zeichnen, gemütlich lesen, entspannt atmen und ein Bad im vom Staub durchzogenen Sonnenlicht nehmen. Letztendlich sind wir selbst ja auch nichts anderes und nichts anderes wird von uns übrig bleiben. Ja okay, bei manch einem eine blitzeblank geputzte Wohnung – bei mir viele Bücher mit Staubüberzug…