Schaffensphasen

Zur Zeit bemerke ich verstärkt, dass sich mein Schaffen im Laufe der Zeit immer wieder verändert hat und laufend verändert. Zu Beginn z.B. war die Farbgebung meiner Mandalas durchwegs eine andere als in späteren Phasen; zur alten Farbgebung fand ich nie mehr zurück. Auch ist zu beobachten, dass sich bestimmte Farbkombinationen zu bestimmten Zeiten häufen, wohingegen andere nur äußerst selten auftreten; wobei es ja mitnichten so ist, dass ich bestimmte Ergebnisse angestrebt hätte. Bis auf wenige Mandalas entstand meine Farbgebung immer aus dem Bauch heraus, wonach mir gerade war.

Design ist zielgerichteter

In letzter Zeit zeichnete und malte ich allerdings etwas zielgerichteter. Die letzten drei Mandalas wollte ich für Designs verwenden und hatte einen Farb-Fahrplan. Damit bin ich aber gar nicht so zufrieden, weil ich merke, mir selbst fehlt dabei der meditative Prozess, der nur aus sich selbst heraus stattfindet und nicht von einer bestimmten Vorstellung geleitet ist.

Wie im echten Leben

Wieder einmal empfinde ich mein künstlerisches Schaffen parallel zum Leben. Ja, ich bin überzeugt, dass das allgemein für Kunst gilt und Kunst eben gerade nicht das ist, was zielgerichtet abläuft. Wer etwas erschafft, weil er vorher schon berechnet, wie viele potentielle Kunden das Werk haben wird, wenn es genau so und nicht anders aussieht, der ist im besten Falle ein genialer Handwerker und Kaufmann; bestimmt aber kein Künstler. Kunst ist unmittelbarer Ausdruck. Freilich kann ein gewisses Konzept vorliegen. Das tut es ja in meinem Falle auch, da die Mandalas immer eine ihnen zugrundliegende Struktur haben, innerhalb derer die Freiheit stattfindet. Aber ich gebe zu, dass ich bei meinen Unikaten unterscheide, welche in einem künstlerischen Prozess und welche eher designorientiert entstanden sind.

Beides hat seinen Wert

Ich glaube, beides hat seinen Wert und beides ist für ein gelingendes Leben essentiell. Meine These: Eingefahrene Muster überschreiten und wirklich Neuland entdecken funktioniert aber vorwiegend im künstlerischen Modus; auch im Leben. Und das ist die Kunst: sich ohne bestimmtes Ziel auf Erlebnisse und Beschäftigungen einlassen. Meine Erfahrung: Je besser mir das gelingt, desto lebendiger fühle ich mich. Kommt mir dieses Vermögen abhanden, weil ich zu sehr im Kopf bin und mich auf bestimmte Ergebnisse oder Erwartungen von außen fixiere, komme ich nicht wirklich vorwärts und die Ergebnisse sind entsprechend fade.

Ein neuer Versuch

Die letzten Tage habe ich endlich mal wieder frei vor mich hingezeichnet, ohne eine Idee für ein Design im Kopf zu haben. Mal sehen, was draus wird. Ich hoffe, es gelingt mir auch im echten Leben von Zeit zu Zeit immer wieder, mich von bestimmten Vorstellungen und Erwartungen zu lösen. Wahrscheinlich ist das echte Leben die eigentliche Kunst. Ich glaube, Kunst kann uns zeigen, wie wir ein wahrhaft gelingendes Leben führen können. Mir jedenfalls haben meine Gedanken entlang meiner Mandalakunst schon oft geholfen, mich auch sonst wieder neu zu “booten”. Momentan wäre das in manch anderem Bereich auch angebracht.
Mal sehen, ob´s gelingt…