Natur & Design II

Kurz nachdem ich meinen letzten Blogpost veröffentlicht hatte, entdeckte meine Mutter mit dem Gartennachbarn in Schwesters Garten einen selten großen Käfer, der in schönen Farben schimmerte. Der Fund wurde für mich auf einem Foto dokumentiert, so dass ich in meinem Käferbuch nachsehen konnte. Der große Käfer war ein Moschusbock. Diese Käfer sind vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste. Schön wäre es natürlich, wenn ich so ein Exemplar selbst auch noch in natura sehen könnte. Bin gespannt, ob sich der Käfer nochmal blicken lässt, wenn ich im Garten bin…

Kleingärten: ein Paradies für Insekten

Auch den Trauerrosenkäfer, der ebenfalls als bedroht gelistet ist, haben wir letztes und dieses Jahr schon im Garten entdeckt. Er sitzt unserer Beobachtung zufolge am liebsten auf den weißen Heckenrosen und auf Brombeerblüten. Wenn ich in den Garten komme, laufe ich zuerst einmal an allen Pflanzen und Sträuchern entlang, schaue, ob ich interessante Käferfunde mache und nasche ein paar Beeren direkt vom Strauch. Dieses Jahr gab es sogar fantastisch gute Kirschen! Außerdem natürlich Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und auch ein paar kleine zuckersüße Walderdbeeren. So einen Garten hätte ich mir als Kind schon gewünscht, es gibt ja nichts Schöneres. Überhaupt kann ich mich Cicero anschließen, der sagte:

“Hast du einen Garten und eine Bibliothek, dann hast du alles, was du brauchst.”
Marcus Tullius Cicero, 106 – 43 v. Chr.

Im Prinzip alles eins

Jedenfalls hat mich mein letzter Blogpost, der Käferfund und überhaupt die Tatsache, dass uns Insekten letztendlich haushoch überlegen sind, was ihre Lebensdauer auf diesem Planeten betrifft, zu einem neuen Bild inspiriert. Im tiefsten Innern bin ich davon überzeugt, dass das Prinzip des Lebens, das in meinen Augen das göttliche Eine selbst ist bzw. sich durch unsere Welt zeigt, dass dieses Prinzip durch die Natur und bestimmte immerwährende Strukturen zu uns spricht; im Grunde freilich auch durch uns selbst. Die (Lebens)Kunst ist vielleicht, bewusst damit in Resonanz zu gehen und zu erkennen, dass alles eins ist, was in seiner Einzelheit als getrennt erscheint. Deshalb werde ich in meiner neuen Bildidee wieder einmal Käfer, Mandalastruktur und Gold vereinen. Ob das Ergebnis so wird wie ich mir das vorstelle, wird sich zeigen.

Weil ich den Alpenbock-Käfer vom Design her so schön finde, habe ich mich für ihn als Modell entschieden. Ich stelle bei meinen Käferdarstellungen keinen Anspruch auf perfekten Naturalismus, es geht mir einfach nur um die Schönheit der Farben und Muster, die die Natur hervorbringt. Ich glaube übrigens nicht, dass alles in der Natur einen Nutzen im Sinne von “survival of the fittest” hat. Darwin selbst zweifelte bei so manchem aufwendigen Federkleid an seiner Theorie. Gerade in der Insektenwelt herrscht Kreativität pur und ich finde, der Mensch sollte abrücken von seinem ewigen Kosten-Nutzen-Denken. Darf es nicht einfach schön sein aus reiner Lebens- und Schaffensfreude?