Music is the doorway to escape

Am letzten Tag des Jahres habe ich mir überlegt, was mein persönliches Resümee der letzten zehn Jahre ist. Ich habe viel erlebt, mein Leben vor 2010 kommt mir vor wie aus einer anderen Zeit. Vor 2010 liegen Jahre ziemlicher Düsternis, in denen ich mich vom ersten Schiffbruch im Leben erholen musste. Man sagt ja, dreimal umgezogen ist einmal abgebrannt; vor 2000 war ich innerhalb von 6 Jahren 8 mal umgezogen – das war abgebrannt und ausgebrannt.

Ab 2010 ging´s bergauf

Ab 2010 ging´s dann wirklich bergauf. Ich mischte mich unters Volk, machte verschiedene Fortbildungen und Seminare, nachdem auch beruflich endlich ein gutes Alltagsgerüst gegeben war. Es stabilisierte sich alles und ich entdeckte auch meine Liebe zum Klavierspielen wieder. Nach zwölf Jahren Klavierpause und zwei Klavierlehrern wurde mir dann aber klar, dass irgendwas nicht stimmt, dass ich musikalisch was anderes brauche; nicht immer nur allein zuhause Klassik nach Noten spielen und ansonsten keine Ahnung von Musik.

Endlich Musik!

Der Durchbruch zur Musik im eigentlichen Sinne – nämlich zusammen mit anderen – kam im Sommer 2013. Ich wollte einen Klavierlehrer, der mir beibringt, auch ohne Noten spielen zu können. Ich fand das Musikinstitut Genima und Georg fragte mich nach ein paar Klavierstunden, ob ich beim Genima Sommerkonzert 2013 mit einer spontan zusammengestellten Band auftreten möchte. Da dachte ich mir, wenn nicht jetzt, wann dann? Das war die richtige Entscheidung, das beste, was ich tun konnte. Von da an nahm alles seinen Lauf und mittlerweile singe ich sogar! Das ist mein Highlight des letzten Jahrzehnts und das nehme ich auf alle Fälle mit.

Bunt gemischt

Die letzten zehn Jahre waren bunt gemischt und ich hätte nichts dagegen, wenn im neuen Jahrzehnt in gewisser Hinsicht mehr Ruhe einkehrt. Auch musikalisch. Es tut mir leid, dass ich zwei Bands hinter mir ließ, weil ich´s aus verschiedenen Gründen grad nicht auf die Reihe kriegte. Ich bin sehr dankbar für alles, was ich mit all den lieben und lustigen Musikern gelernt und erlebt habe. Musikalisch kommt man nur weiter, wenn man´s einfach tut. Ich habe sogar ein bisschen Gitarre spielen gelernt und im Proberaum festgestellt, dass ich am liebsten Bass spielen könnte. Ich habe großen Respekt vor jedem Musiker, egal an welchem Instrument. Alles ist fantastisch!

Seelentröster und Kraftquelle

Für mich jedenfalls ist Musik, vor allem aktiv, der beste Seelentröster und die stärkste Kraftquelle. Musik in einer Band ist obendrein die Idealform, wie Menschen miteinander sein können. Vor allem dann, wenn Bandproben in erster Linie aus Spaß an der Freude stattfinden und man nur ein gemeinsames Ziel hat: dass es groovt, dass es einfach ein tolles Gefühl ist! Das hält nebenbei die Gehirnzellen fit und lässt diese irrsinnige Welt mindestens für die Zeit im Proberaum verschwinden. Aus diesem Grunde gibt´s auch wieder eine Band – die mir, so scheint´s, das Leben zugespielt hat.

Stimme ist Körper

Was ich die letzten Jahre auch noch entdeckt habe, ist, dass der Mensch nicht nur aus Geist, sondern auch aus Körper besteht und das eine nicht vom anderen zu trennen ist. Früher war ich ziemlich einseitig. Das verändert sich zum Glück gerade und das ist die zweite große Entdeckung, die ich auf alle Fälle ins neue Jahrzehnt mitnehme und weiter ausbauen werde. Dass mein Lieblingsinstrument mittlerweile meine Stimme ist, ist insofern vollkommen logisch – finde ich. Ich hoffe, ich kann meine Stimme noch weiter entwickeln und traue mich noch mehr, ich selbst zu sein.

Und dazu gibt´s noch ein wunderbares Zitat von A. N. Whitehead aus seinem Buch “Denkweisen”:
“Somit ist ein stimmlich erzeugter Ton ein natürlicher Ausdruck für die tiefgreifende Erfahrung von organischer Existenz.” (S. 74, Suhrkamp Verlag, 2001)