Kreativität und Wiederholung

In meinem letzten Blogpost mit der Buchempfehlung von Sheldrakes “Der Wissenschaftswahn” hatte ich einen Satz zitiert, um den sich gerade mein Denken formiert: “Zur Evolution gehört zwangsläufig beides, Kreativität und Wiederholung.” (R. Sheldrake, S. 143) Durch Sheldrake habe ich auch zwei für mich neue Philosophen gefunden, die mich interessieren; zwar sind sie mir dem Namen nach nicht unbekannt, aber auf die Idee, sie zu lesen, wäre ich nicht gekommen: Einmal Henri Bergson, den Sheldrake als evolutionär denkenden Philosophen erwähnt und dessen Denken sich wohl stark um Kreativität als treibende Kraft dreht. Und dann noch Alfred North Whitehead, der ebenfalls ein Kritiker des materialistischen Denkens/Weltbildes ist.

Wissenschaft und moderne Welt

So lese ich momentan Whiteheads “Wissenschaft und moderne Welt”. Ich gebe zu, es ist schon eine schwierige Lektüre für mich, aber ich liebe Texte, bei denen ich intuitiv spüre, dass da jemand auf ähnlichen Denkwegen ist wie ich. Momentan ist das in meinem Kopf wie ein großes Puzzle, von dem ich zwar weiß, dass die Denk-Teile zusammengehören, aber ich weiß noch nicht wie. Manchmal ist mir, als könnte ich das fertige Bild schon sehen, aber in dem Moment, in dem ich wirklich hinschaue, entwischt es mir und es bleiben nur Fragmente übrig; also quasi einzelne Puzzle-Teile, die da schon liegen, aber noch kein Bild ergeben.

Mein Lieblingsmysterium

Dieses Gefühl von “ich sehe schon alles, kann es aber nicht sehen” ist mein Lieblingsmysterium, denke ich mir gerade. Das mag schräg klingen, aber ich vermute, wer das kennt, weiß, was ich meine. Jedenfalls fühle ich mich einem Denken, das prozessual, evolutionär, organisch, kreativ, zusammenhängend orientiert ist, viel näher als einem Denken, das die Welt in einzelne Stücke teilt und sie dann abhandelt, als wäre es selbst nicht davon betroffen. Eben jenes Denken, das immer noch vorherrscht in der Welt: da werden Lebewesen seziert, um Leben zu erforschen, und dabei ist aber genau das Leben eben weg, wenn der Frosch – oder was immer – in Einzelteilen auf dem Tisch liegt. Der Biologe und Philosoph Andreas Weber ist übrigens auch so ein Denker, dessen Bücher ich wärmstens empfehlen kann, weil auch er in Zusammenhängen denkt und dafür sensibilisiert, dass wir Leben nur im Zusammenhang erfassen können.

Langweilig wird mir jedenfalls nicht

Eines steht fest: Langweilig wird mir nicht. Umso ärgerlicher, dass heute wieder GEZ-Gebühren abgebucht wurden für einen Dienst, den ich überhaupt nicht nutze. Ich darf über diese Unverschämtheit der Zwangsgebühren für den Schwachsinn in Fernsehen gar nicht nachdenken. Ich hätte lieber 140 Euro mehr im Jahr für Bücher. Folgender Ausspruch könnte nämlich auch von mir sein:

“Wenn ich ein wenig Geld bekomme, kauf ich mir davon Bücher.
Wenn dann noch etwas übrig ist, kaufe ich mir Essen und Kleidung.”
Erasmus von Rotterdam