Die Welt auf den Kopf gestellt

Momentan geht es rund in meinem Kopf, das kann ich Euch sagen! Es ist ein bisschen so, als würde ich die Welt auf den Kopf stellen, weil sich mein Denken, was das Verhältnis von Geist und Körper betrifft, völlig verändert. Es ist keineswegs so, dass ich plötzlich den Körper über den Geist stellen würde; aber mir wird bewusst, dass unser Denken ungesund kopflastig ist und wir uns durch die Jahrhunderte hindurch mehr und mehr von unserer Körperlichkeit/Sinnlichkeit entfernt haben. Zugleich huldigen wir einem Denken (auch 100 Jahre nach Max Planck), das nur als gesichert akzeptiert, was quasi körperlich, kausal belegbar bist.

Entwicklung durch anders Denkende

Freilich, gäbe es nicht genügend Denker – früher und aktuell -, die sich darüber Gedanken machen und dazu schreiben, wäre vermutlich auch ich nicht auf diesem Weg. Geprägt nur durch die Herkunftsfamilie/-Umgebung, ohne anders denkende Gehirne hätte ich mich gar nicht so entwickeln können wie es nun der Fall ist. Denn wie Gerald Hüther sagt, bringt uns ja gerade die Irritation in unserer Entwicklung weiter. Wer immer in derselben Suppe schwimmt, wird kaum einen anderen Geschmack annehmen. Prekär daran ist, dass die anderen im bisherigen System gezwungen sind, diese Veränderung in gewisser Weise mitzumachen. Das stößt natürlich auf Widerstände, denn schließlich war bisher doch auch alles gut, warum also sollte man irgendwas ändern? Es ist aber nicht gut, es ist nur gewohnt.

Berührung verändert

Der Beginn meiner Veränderung hat mit Berührung zu tun. Ja, ganz simpel, fundamental und sinnlich mit Berührung. Der Auslöser war der Sommer 2015. Seither bröckelt meine alte Weltsicht; wobei ich im Nachhinein weiß, dass ich auch davor schon, ca. ab 2008, ahnend mich näherte meinem Knoten im Denken, der alles so unlebendig, fad und einsam machte. Ich bin überzeugt, das kommt letztendlich aus einer jahrhundertelangen Tradition, die Berührung und Sinnlichkeit als “animalisch” verteufelt und als edel ansieht, einem Gott des Geistes zu dienen, um sich dann – irrwitzigerweise – ein ewiges Leben in einem Körper zu sichern, den man eigentlich verurteilt und für wertlos hält. Und ich frage mich: Was wollen alle mit Botox und Hightech-Medizin verjüngten Menschen eigentlich auf dieser Welt, wenn keiner sich selbst schätzt und sein Dasein an sich für wertvoll hält? Wenn sie nur von den anderen hohlen Schönheitshüllen geliebt und geliked werden wollen? Was wollen sie eigentlich alle ewig leben, wenn dies Leben nur ein Funktioneren für Wirtschaft, Industrie und SocialMedia ist?

Die Zeit soll bleiben, wo sie ist

Ich möchte nicht die Uhr zurückdrehen. Es geht mir auch nicht um “zurück zur Natur” im Sinne von “alles bitte ganz ursprünglich, ich möchte wieder vom Löwen gefressen werden”. Nein, ganz bestimmt nicht. Ich bin froh, dass wir stehen, wo wir stehen; dass unsere wissenschaftlichen Errungenschaften uns das Leben erleichtern und ungeahnte Potentiale aufdecken. Aber ich glaube, unsere Geschichte ist immer auch die Chance, besser: der Aufruf zu erkennen, wo wir jetzt stehen und ob das wirklich das ist, was wir mit Fortschritt erreichen wollten? Dies gilt sowohl für die Menschheitsgeschichte als auch für die je eigene Biographie.

Gut oder nur gewohnt?

Um sich als Mensch spüren und wahrnehmen zu können, braucht es Berührung und somit Verbundenheit; körperlich als auch geistig, das lässt sich nicht trennen. Das ist mir klar geworden – durch den Verstand und auch durch meine Sinne – und auf diesem Weg möchte ich bleiben. Damit verändert sich all mein Denken und auch alle Philosophie wird mittlerweile von mir kritisch unter diesem Gesichtspunkt beäugt. Mir schmeckt die alte Suppe nicht mehr. Ich habe Lust auf einen neuen Geschmack, der auch dem Weltfrieden zuträglicher ist als der Eintopf, den wir heute noch vorwiegend aufgetischt bekommen. Ihr könnt darüber schmunzeln – oder in Euch gehen und Euch fragen, ob Euer Leben wirklich gut ist oder nur gewohnt?