Dancing Universe

Ich hoffe, es geht Euch allen gut da draußen, die Ihr vielleicht ab und zu in meinen Blog schaut. Wir haben ja ziemlich bewegte Zeiten, die so einiges Unerwartetes mit sich bringen. Unter anderem auch ziemlich skurrile Verhaltensweisen einer Wohlstandsgesellschaft, die aus irgendeinem Grund – der mir persönlich schleierhaft ist – Klopapier als Rettung in der Not sieht. Wie auch immer, ich hoffe, wir alle gehen weiterhin gut mit dieser Situation um und bleiben gesund.

Der Glaube an die Menschheit

Also ich muss gestehen, dass ich angesichts auch der aktuellen Lage mal wieder gebeutelt bin vom Zweifel an der Menschheit. Und da wundere ich mich, welch irrsinnigen Glauben Johann Gottlieb Fichte ganz zu Beginn des 19. Jahrhunderts an die Menschheit hatte. Ich lese gerade seine Schrift “Die Bestimmung des Menschen” und staune nicht schlecht. Zugleich denke ich mir ständig, dass der Mensch sich immer im Kampf mit allem sieht. Auch jetzt: alles ist immer “ein Kampf gegen…”. Vielleicht kämpft die restliche Natur ja gegen uns? Fichte schreibt: “Die Natur muß allmählich in die Lage eintreten, daß sich auf ihren gleichmäßigen Schritt sicher rechnen und zählen lasse, und daß ihre Kraft unverrückt ein bestimmtes Verhältnis mit der Macht halte, die bestimmt ist, sie zu beherrschen, – mit der menschlichen.” (Felix Meiner Verlag, Hamburg 2000, S. 107) Na, da lacht sich das Virus aber ins Fäustchen. Allerdings bemerkt Fichte etwas weiter: “Aber es ist nicht die Natur, es ist die Freiheit selbst, die die meisten und die fürchterlichsten Unordnungen unter unserm Geschlechte verursacht; des Menschen grausamster Feind ist der Mensch.” (S. 108)

Die Suche geht weiter

Ihr seht also, dass ich weiterhin auf der Suche bin. Wobei ich mich immer wieder frage, wonach eigentlich? Weshalb lese ich dieses Gedankenkreisen anderer Denker? Meine ich etwa, auf meine Fragen eine Antwort zu finden? Was hoffe ich, in diesen Texten zu finden? In den Texten der Philosophen rund um die Aufklärung finde ich vor allem eines: eine Einstellung zur Natur, die so gar nicht meine ist und die mir auch nicht taugt. Da geht es meist ums Beherrschen und um den Kampf (ein allseits bekannter Staatsmann mochte diesen Begriff auch sehr gerne…). Selbst jetzt, während ich das schreibe, merke ich, wie ich meine Augenbrauen zusammenkneife, weil mir diese Kampf- und Herrschermetaphern einfach nicht eingehen wollen.

Freiheit verpflichtet

Manchmal denke ich mir, dass wir vor allem eines erstmal wirklich begreifen müssen, damit wir mit unserer Freiheit und Intelligenz konstruktiv umgehen können: Wir sind und bleiben ein Teil vom Ganzen und es geht nicht darum, das Ganze zu beherrschen. Stellt Euch vor, ein Ton würde die gesamte Musik beherrschen wollen! Er würde sich selbst vernichten. Der Tanz des Universums würde zum Erliegen gebracht.