Anstupser des Lebens

Manchmal braucht man einen Tritt in den Hintern, um wieder ins Lot zu kommen bzw. wieder zu wissen, wie kostbar es ist, im Großen und Ganzen keine Einschränkungen zu haben – außer der Barrieren im eigenen Kopf, die phasenweise so unüberwindlich scheinen.

Es liegt nur an Dir!

Aus sämtlichen Kanälen springen uns Botschaften, Zitate und Sprüche entgegen, die uns immer daran erinnern: DU bist selbst verantwortlich für alles, was Dir passiert und nicht passiert; für alles, was Dir gelingt oder misslingt. Wer es nicht schafft, sich selbst ein glückliches und erfolgreiches Leben zu schaffen, der hat´s einfach nicht drauf und tja, selbst schuld. Ich weiß nicht, ob es eben an diesem allgemeinen Credo oder an meinem Charakter liegt: Jedenfalls fällt es mir schwer, mich selbst nicht zu verurteilen, wenn mir mein positives und dankbares Lebensgefühl abhanden kommt. Wenn ich mich einfach nur mies fühle und glaube, ich kann eh nichts ausrichten, egal, was ich tue.

War das immer so?

Ich frage mich, ob das immer so war oder ob das vielleicht DIE Herausforderung moderner Menschen ist? Dass sie selbst für alles verantwortlich sind: für ihre Gesundheit, ihr Einkommen, ihren Erfolg, den richtigen Partner, eine positive Lebenseinstellung, ein Dauer-Lach-Gesicht, das sich gut posten lässt. Tatsächlich glaube ich, dass dies eine recht neue Erscheinung ist. Früher waren die Menschen in gewisser Weise nicht so frei wie wir heute, dafür mussten sie sich Misserfolge, Armut oder Krankheit auch nicht komplett selbst zuschreiben. Es war die Gesellschaft bzw. die Familie, in die man hinein geboren war, es war Schicksal, Glück oder einfach Pech. Heute sind wir für alles selbst verantwortlich. Und wehe, wir sind zu schwach, unsere Komfortzone ständig zu erweitern…

Gelingt nicht immer

Grundsätzlich finde ich die heutige Einstellung gut und wahrscheinlich haben Menschen früher manches noch viel weniger versucht, weil sie dachten, das sei für sie eben nicht bestimmt. Heute haben wir prinzipiell die Möglichkeit, das Leben zu führen, das wir wollen (jedenfalls in unserer europäischen Wohlstandsgesellschaft). Deshalb allein schon sind wahrscheinlich viele Menschen aktiver und nicht mehr so schicksalsergeben. Aber ganz ehrlich: immer gelingt das nicht. Manchmal fühlen sich die Herkunft, ein fehlender Abschluss, die falsche Ausbildung, ein geringes Selbstwertgefühl eben doch wie in die Wiege gelegte Hindernisse an, denen man sich ergeben muss. Manchmal bin ich der ewigen Selbstoptimierung einfach überdrüssig und müde. Und dann geht erstmal nichts mehr. Geht Euch das auch so?