Alle Wege führen zu Eva und Adam

Seid Ihr auch gerade im Sommerloch? Einerseits werkle ich zwar immer irgendwas vor mich hin, aber so richtig vorwärts gehen tut gefühlsmäßig nichts. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich bald ein Jahrzehnt lang in der Midlife-Crisis. Da ist immer dieses Gefühl, ich muss die Weichen richtig stellen für den Rest meines Lebens: noch mehr zu mir stehen; mehr leben, was zu leben ist; mich noch mehr trauen, alte hinderliche Muster und Glaubenssätze hinter mir zu lassen.

Die Psycho-Generation

Ich glaube ja, dass meine Generation – plus/minus – die erste ist, die die Kapazitäten und das psychologische Wissen hat, das eigene Leben zu hinterfragen; insbesondere wenn man kinderlos und existentiell grundlegend versorgt ist. In meinem Bekanntenkreis geht es eigentlich allen so: keiner ist mehr bereit, etwas hinzunehmen, nur weil es halt so ist bzw. immer so war. Frauen und Männer wollen mehr noch leben, was sie sich wünschen und als ihr Potential sehen. Egal, ob bereits eine Runde volles Programm – Ehe, Kinder, Scheidung, Neuanfang -, ein Single-Leben und/oder beides hinter einem liegen. Beziehungen werden dadurch immer komplizierter, weil die Reibungspunkte immer gröber werden – zusätzlich zur Tatsache, dass Frauen einfach nicht mehr gewillt sind, selbstverständlich den “dienenden” und angepassten Part zu übernehmen. Auch die fortschrittlichsten Männer sind größtenteils noch fest verankert in einem Weltbild, in dem sich die Frau um den Mann zu drehen hat.

Die Geschlechter – was für ein Zirkus!

Bisher dachte ich immer, diese ganzen Feminismus-Debatten interessieren mich nicht sonderlich. Ich möchte mich auch in keine solche Kategorie einordnen. Aber doch ist mir in letzter Zeit bewusst geworden, dass mein Wunsch, eigentlich lieber ein Mann sein zu wollen, nichts anderes verrät, als dass ich mich eben sehr wohl nicht dort sehe, wo ich gerne sein möchte oder anders: dass ich glaube, als Mann hätte ich ein ganz anderes Leben führen können. Die zuletzt gelesenen Bücher von Julia Onken und Elisabeth von Thadden haben mir die Augen geöffnet, wie sehr wir alle noch durchdrungen sind von einem Weltbild, das wir glauben, hinter uns gelassen zu haben. Weit gefehlt! Wenn man erst einmal sensibel für dieses Thema ist, dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen, dass Frauen behandelt werden wie eine Minderheit, der man langsam die Welt erschließen muss. Für Wissenschaftlerinnen z.B. werden extra Plattformen geschaffen, damit sie als Frauen dort in einer speziellen “Speakers Corner” Vorträge halten können. Das ist, als würde man für Gehbehinderte Aufzüge bauen, damit auch sie in den ersten Stock kommen. Wir sind aber keine Minderheit, sondern die Hälfte der Menschheit!

Die Zeit ist reif

Wir Frauen machen das alles auch noch mit und fühlen uns endlich gesehen: als das andere Geschlecht. Das Geschlecht, das sich als anders definiert und definiert wird, weil noch immer der Maßstab der Männerwelt angelegt wird. War mir bisher nicht so bewusst, aber jetzt bin ich durchgedrungen zu dieser Einsicht und dem Buch, das schon in meinem Regal parat stand und ein absoluter Klassiker zu diesem Thema ist; immer noch aktuell, obwohl mittlerweile 70 Jahre alt: “Das andere Geschlecht” von Simone de Beauvoir. Wie so oft war ich diesem Buch schon früher auf der Spur, um es dann erstmal ins Regal zu stellen. Über Umwege bin ich jetzt also bei dieser Sommer-Lektüre gelandet. Ich glaube, das wird spannend.

An dieser Stelle kann ich es mir nicht verkneifen, Euch Carolin Kebekus´ Song und Video “Im Namen der Mutter” ans Herz zu legen. Hört und seht es Euch an, es ist genial!