Ab und zu echt schräg

Mein zuletzt gezeichnetes und coloriertes Mandala ist echt schräg geworden. Schräg im Sinne von völlig aus dem Gleichgewicht. Es dreht sich im Uhrzeigersinn und gleichzeitig wird es mit Gewalt abgebremst und steht dann doch still. Aber es ist kein entspannter Stillstand, sondern einer, unter dem alles ächzt. Ich empfinde den Anblick als anstrengend. Einzig die Farbgebung ist im Grunde sehr erdig, sinnlich warm, eher entspannt und außerdem mit den Brauntönen eine Farbkombination wie sie schon sehr lange nicht mehr auftauchte. Wenn das Gelb bzw. Ocker aus der Mitte heraus nicht wäre, wären es sogar ziemlich düstere Farben, die an den Blick in einen tiefen Abgrund erinnern (im Original wirken die Farben düsterer als auf dem Bildschirm). Vermutlich habe ich deshalb dann viel, viel Weiß ergänzt und versucht, Leichtigkeit hinein zu zaubern.

Dieses Mandala ist mal wieder so eines, mit dem ich echt nix anfangen kann. Es fällt mir schwer, es anzunehmen wie es ist. Da ertappe ich mich dabei, dass mir dauernd einfällt, was ich echt anders hätte machen sollen. Wenn ich hinschaue, frage ich mich, wieso ich diese komischen runden Ausläufer gezeichnet und sie dann auch noch farblich betont habe? Und dann diese ganzen Blasen?

Interessant ist, dass ich am Wochenende einen Satz hörte, der vielleicht zu diesem Mandala passt:

Kontrollverlust ist der Nährboden für Neues

Ein bisschen habe ich gerade das Gefühl von Kontrollverlust, weil ich nämlich dachte, dass so manches anders läuft als es sich momentan jetzt darstellt in meinem Leben. Tatsächlich erfahre ich gerade wieder, dass sich das Leben nicht planen oder jedenfalls nicht in eine bestimmte Richtung lenken – oder zwingen – lässt, wenn die Zeitqualität dafür einfach nicht die richtige ist. Und ja, dieser Gedanke passt: Das Mandala sieht so aus, als würde die Bewegung in die eine Richtung durch ein mächtiges Gegenmoment gestoppt und zum Stillstand gebracht, ohne dass sich wirklich Entspannung einstellt. In dieser Situation bleibt wohl nur eines übrig: Einfach mal loslassen und keine Kraft mehr anwenden. Die Kontrolle aufgeben und es sein lassen, um überhaupt zu erfahren, was es ist, ohne den Drang, es zu verändern.