2020 – ein besonderes Jahr

2020 ist für mich zu einem ganz besonderen Jahr geworden – und nein, nicht nur wegen Thema Nr. 1. Mir wird 2020 nicht zuletzt wegen meines gebrochenen Fingers in besonderer Erinnerung bleiben. Denn es war das erste Mal, dass ich selbst als Patientin im Krankenhaus war; und wenn es nach mir geht, kann das nächste Mal gerne wieder 46 Jahre dauern. Gestern hätte ich dann eigentlich zum Drahtziehen wieder ins Krankenhaus sollen. Das sagte den Termin aber bis auf weiteres wegen Quarantäne ab. Zum Glück konnte ich mir heute den Draht dann bei einem anderen Handchirurgen entfernen lassen und bin heute Abend irgendwie glücklich und erschöpft. Ich bin dankbar, dass das heute alles so gut lief und viel weniger schlimm war als befürchtet. Erschöpft bin ich, weil ich nun realisiere, dass mein Finger trotzdem nicht gleich wieder der Finger ist, der er vorm 10. Oktober mein ganzes Leben lang war.

Wenn alles gut ist, merkt man das leider nicht

2020 erteilt mir also unerwartet eine Lehre und macht mir nochmal ganz deutlich, wie verwöhnt ich eigentlich vom Leben bin. Nichts hat mich bisher in meinem Tun eingeschränkt außer der Müllhalde in meinem Kopf. Und so lerne ich gerade durch diesen Vorfall mit meinem kleinen Finger auch wieder jede Menge über mich selbst. Vielleicht kristallisiert sich in diesem Kapitel auch vieles heraus, was ich bereits bearbeitet habe in dieser Hinsicht. Und vielleicht ergibt rückwirkend wieder alles einen Sinn eines Tages. Ich gehe davon aus, denn es schimmert schon durch, durch den Knäuel an Ereignissen.

Update, nicht nur für den Finger

In dem Moment, als der Draht heute raus war aus dem Finger, dachte ich, ich habe meinen “normalen” Finger wieder. Aber dabei hatte ich überhaupt nicht das geringste Gefühl dafür, dass ich den Finger bewegen kann. Der Arzt lachte und meinte, das sei ganz normal, das würde jetzt einfach eine Zeit dauern – es war wohl ganz schön naiv von mir. Er hat mir noch einiges erläutert für das weitere Vorgehen, mir eine Fingerschiene angelegt, mir ein Rezept für Physiotherapie mitgegeben, und nun sitze ich da. Und nehme mir vor, jede Minute meines Lebens zu schätzen, wenn alles gut ist und mich nichts beeinträchtigt außer meiner hausgemachten Einbildungen. Ich denke, “Einbildungen” kann man sich auch “ausbilden” oder anders: ich kann mir doch einfach andere Einbildungen ausbilden und meine bisherige Software überschreiben. Ja okay, ich bin schon etwas länger an meinem Software-Update dran und bisher leider eher ergebnislos. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. 2021 ist schließlich auch noch ein Jahr.

Kleiner Nachtrag:
Als ich die mit flauschigen Faserkügelchen gefüllten Stoffherzen als Bilder für diesen Blogpost wählte, wusste ich noch nicht, dass sie sich hervorragend ergotherapeutisch für meinen kleinen Finger eignen. Eines davon ist also nun mein Finger-Trainer geworden. Das gefällt mir natürlich!