Wacklige Tage

Kennt Ihr wacklige Tage? Ich kenne die in letzter Zeit sehr wohl, hatte sie nur nicht so genannt.
Aber als ich vorhin meine weißen Linien bei diesem Mandala zog, war das wirklich eine wacklige Angelegenheit und ich dachte mir „heute ist schon wieder so ein wackliger Tag“.

Von der Oktave zur Quinte…

Eigentlich wollte ich zu diesem Mandala was ganz anderes schreiben, weil es seit langem mal wieder der Versuch war, ein Mandala mit einer anderen Struktur zu zeichnen; nämlich einer Sechstelung/Quintenteilung anstatt meiner üblichen Viertelung/Oktavteilung. Es ist mittlerweile schon wieder lange her, dass ich mir Gedanken machte zu Mandalas und Musik bzw. dem Klang der unterschiedlichen Teilungen unter Verwendung Hans Coustos Bücher.

…oder: auf dem Weg zu neuen Wegen

Es ist ja gar nicht so einfach, so eine andere Struktur ebenfalls ohne Zirkel und Lineal zu zeichnen. Ich habe dieses Mandala nach dem Prinzip der Blume des Lebens gezeichnet, jedenfalls den ersten Kreis und die sechs Kreise drum herum. Man sieht, dass die Zeichnung nicht exakt ist und alles etwas scheps (in sich aber trotzdem recht ausgewogen). Als ich dann die weißen Linien verwackelte und mit dem Pinsel nicht so richtig im Gleichgewicht war wie sonst, dachte ich mir: Ja, genau so fühle ich mich gerade; wie beim Gang auf einem sehr, sehr schmalen Pfad, der noch nicht oft gegangen wurde.

Dabei fällt mir dieser Vergleich von Neurowissenschaftlern ein: dass neue Wege (im Gehirn) tatsächlich einem noch sehr schmalen Pfad entsprechen und wir breite, sichere Wege erst schaffen müssen, wenn wir uns neue Verhaltensweisen und eine neue Lebensart zulegen wollen. Und das ist gar nicht so einfach.

Analog zum Leben

Aber im Leben ist es wohl wie bei meinen Mandalas: zeichnen, zeichnen, zeichnen – und irgendwann wird´s erstaunlich gleichmäßig und symmetrisch. Meine Mandalas sind halt „meine Komfortzone“; da kann ich auch neue Strukturen spielerisch, ohne Ängste und Zweifel ausprobieren. Im echten Leben ist das ein bisschen schwieriger. Vielleicht hilft mir diese Analogie, es immer wieder zu versuchen; so lange bis es sich genauso gut und „sicher“ anfühlt wie der „alte Stiefel“, der mir über die Jahre so vertraut geworden ist.