Vom Glück eines freien Nachmittags

Ja, wohl wahr…ich müsste mehr Geld verdienen, um der Altersarmut zu entkommen. Aber weiß ich, ob ich das Alter, die Rente, überhaupt erleben werde? Krankheiten, Flugzeugabstürze, Autounfälle, defekte Toaster und andere Unwägbarkeiten werden meinen weiteren Lebensweg säumen. Diese freien Nachmittage mit Zeit für all die Beschäftigungen, die ich liebe, sind mir dagegen sicher bei meinem derzeitigen Lebensstil. Nachdem in jedem Ratgeber zu lesen ist, man solle im Jetzt leben, lasse ich mir diese Zeit auch nicht nehmen. Für all das, was ich tun und lernen und schaffen möchte, reichen mir diese freien Nachmittage ja trotzdem nicht!

Die Liebe zur Musik

Beim Colorieren eines Mandalas habe ich heute endlich mal wieder in aller Ruhe Musik gehört. Mir war so nach Jazz. Manchmal denke ich auch wehmütig an die Zeit im JazzProjekt zurück: der beste Beweis, dass man auch als Erwachsener noch viel lernen kann, wenn man sich für etwas begeistert und das eingerostete Gehirn mal wieder so richtig arbeiten muss. Leider habe ich das meiste schon wieder vergessen und Klavier spiele ich kaum noch. Aber trotzdem ist einiges abgespeichert und abrufbar. Diesen Erfolg kehre ich oft unter den Teppich, weil ich halt gerne noch viel, viel mehr könnte und wüsste.

Bach & Jazz

Auf der Suche nach einer bestimmten CD stieß ich dann auf eine CD von Jacques Loussier. Er spielt Bach und macht tollen Jazz draus! Kein Wunder, denn Bach war wohl der erste Jazzer der Musikgeschichte – denke ich mir halt so, denn seine Akkorde/Harmonien sind einfach genial! Loussier ist Pianist und meist wird er noch von Schlagzeug und Bass begleitet. Diese CD hatte ich irgendwann mal angeschafft, aber eigentlich noch nie so ganz bewusst angehört. Aber seit heute Nachmittag höre ich sie in Dauerschleife und freue mich, dass ich meinen Lieblingskomponisten Bach und gleichzeitig Jazz hören kann. Wer also Bach & Jazz mag, dem sei diese CD wärmstens empfohlen.

Einer meiner größten Schätze: mein Klavier

Obwohl ich, wie erwähnt, kaum noch Klavier spiele seit einiger Zeit, gibt es doch kaum einen Gegenstand, der mir mehr am Herzen liegt. Und tatsächlich habe ich mich heute Nachmittag zwischendurch mal ans Klavier gesetzt und mir Bach-Noten hervorgeholt. Vorne im Heft lag ein Ausdruck, auf dem ich die Akkorde zu einem Kleinen Präludium herausgeschrieben hatte – ich denke mal zu Zeiten des JazzProjekts. Damals war es zum Einen eine gute Übung, zum anderen wollte ich ausprobieren, über Bachs Akkordfolge zu improvisieren. Und dieser Zettel kam mir heute wie gerufen. Ich habe zwar auch ziemlich zäh dieses (einfache) Präludium nach Noten gespielt – weiß Gott kein Ohrenschmaus und wohl ziemlich schlecht -, aber dann habe ich einfach improvisiert und den jazzigen Klang Bachs genossen. Ja, und dann war mir zum Glück doch wieder mal bewusst, dass ich damals wirklich viel lernte.

Meinetwegen gäbe es nur freie Nachmittage

Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern, als ich jemandem erzählte – ein junger Ingenieur -, dass ich Teilzeit arbeite, weil das zu meiner Lebensphilosophie gehört. Dieser Jemand schaute mich damals mit großen Augen an und fragte mich allen Ernstes, was ich mit der ganzen Zeit anfange? Ich dachte mir, ich höre nicht recht. Der sagte wirklich, er wüsste gar nicht, was er dauernd machen soll. Das kann ich gar nicht verstehen, weil ich mich ja für so vieles interessiere und mir im Grunde die Zeit sowieso nicht reicht für alles, was ich noch tun und lernen und schaffen möchte. Deshalb ein Hoch auf freie Nachmittage!