Und die Seele leuchtet auf*

mandalavision_165_1Ich bin voller Begeisterung für das Buch „Die Verzauberung der Welt“ von Ernst Peter Fischer! Nicht nur, dass ich durch dieses Buch mich wieder an meine Facharbeit über Novalis und Goethe erinnerte, viel mehr noch, weil Ernst Peter Fischer in dem hervorragenden Kapitel „Die Wissenschaft, das »verkehrte Wesen«“ (S. 215) etwas darlegt, das ich meiner Außenwelt – ohne Erfolg, glaube ich – immer wieder versuche zu vermitteln: Es ist der innere Abgleich der Mandalastruktur mit Gedanken und Erkenntnissen – meiner und anderer Denker -, der bei mir dieses ersehnte und geliebte Glücksgefühl erzeugt.

Mandalavision_165_3Einstein, Heisenberg und Kepler

In hervorragender Weise vermag Ernst Peter Fischer zu beschreiben, dass mathematische Formeln nicht Wissen, d.h. Wirklichkeit selbst sind, sondern Symbole für das Wissen, das beispielsweise Einstein, Heisenberg und Kepler aufgrund innerer Bilder und Wahrnehmungen erkannten.
Ich möchte mich nicht mit diesen außerordentlichen Menschen vergleichen, aber für mich sind Mandalas auch Symbole eines Wissens, das in mir schlummert, das ich intuitiv wahrnehme, ohne wirklich sagen zu können mit menschlicher Sprache, was dieses Wissen ist. Es ist wie ein Blick in tiefere Zusammenhänge. Insofern gehöre ich zu den Gläubigen, wenngleich ich an keinen Gott irgendeiner religiösen Institution glaube.

Mandalavision_165_5Innere Bilder, die zur Deckung kommen

Besonders schön finde ich zu erfahren, dass Kepler der Meinung war, Erkennen komme zustande, indem ein Mensch von außen Aufgenommenes mit den Bildern in sich zur Deckung bringe: „Kepler vermutet, dass beide Bilderströme an der Stelle zueinander finden, die man früher Seele nannte. Wenn eine Passung gelingt, wird man wach, *und die Seele leuchtet auf.“ (S. 219) Genau dieses Gefühl erfüllt mich, wenn der innere Abgleich der Mandalastruktur mit einem Gedanken von außen übereinstimmt. Ich habe endlich eine passende Beschreibung dafür gefunden!

Mandalavision_165_10Informationszeitalter – wirklich?

Was ich an Ernst Peter Fischers Buch auch überaus schätze, ist die Gesellschaftskritik – insbesondere Bildungskritik -, die sich in mehreren Kapiteln auf vortreffliche Weise findet. Da wird klar ausgesprochen, dass wir zwar viele Daten auf unseren Festplatten haben mögen, aber keine Bilder mehr im Kopf, was die ursprüngliche Bedeutung von „In-formation“, nämlich Ein-Bildung ist (S. 219). Innere Bilder sind aber, wie aus dem Vorhergehenden deutlich wird, wichtig für unsere Erkenntnisse. Sie sind eng gekoppelt mit sinnlicher, ästhetischer Wahrnehmung und können nicht nur durch „eingepauktes“ Wissen gewonnen werden.

Unbedingte Leseempfehlung!

Dieses Buch ist ein außerordentlich gelungenes Plädoyer für die Beschäftigung mit Naturwissenschaften. Es zeigt, dass Naturwissenschaften die Welt keinesfalls entzaubern, sondern im Gegenteil: Jedes neu aufgedeckte Puzzleteil eröffnet ein neues weites Feld zum Staunen, Nachdenken und Forschen. Wirklich lebendig und fruchtbar aber bleibt das naturwissenschaftliche Forschen nur in Verbindung mit Schönheit, sinnlicher Wahrnehmung, Kunst und Poesie. An dieser Stelle erlaube ich mir, meinen Lieblingssatz aus diesem Buch zu zitieren: „Wer sich sein aus Kindertagen vertrautes Gespür für das Mysteriöse bewahrt, das in allen Dingen steckt, wer sich das Grundgefühl nicht von den belehrenden Mächten der Gesellschaft rauben lässt, der findet als Erwachsener Freude am wissenschaftlichen Denken und am künstlerischen Schaffen.“ (S. 20). Genau das ist mir gelungen – wenn ich all das auch ohne großen gesellschaftlichen Erfolg tue. Aber das Leuchten der Seele ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen!

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