Terra Incognita

Meine letzte Lektüre hat mich zu einem kleinen Bild inspiriert. Das ungewöhnliche Format ist einem Passepartout-Verschnitt geschuldet; aus solchen „Unfällen“ entstehen manchmal dann gute Ideen. Bei solchen Dingen muss ich an Bob Ross denken, der sagte: „There are only happy little accidents.“ Dieses Zitat hörte ich zum ersten Mal von meinem Klavierdozenten am JazzProjekt. Es nimmt ein bisschen die Angst vor falschen Tönen und Fehlern, die oft sogar neue Sichtweisen eröffnen oder – wie in der Musik – neue Klänge, die man manchmal nur durch Fehler überhaupt entdeckt.

Wieder mal ein gutes Buch entdeckt

James Cook machte auf seiner dritten Südseereise im Umgang mit Einheimischen dann allerdings einen Fehler, der ihn das Leben kostete; obwohl er sonst immer sehr diplomatisch im Umgang mit anderen Kulturen war. Wie ich nun auf James Cook komme? Durch die Beschäftigung mit Georg Forster, der 17-jährig zusammen mit seinem Vater auf Cooks zweiter Südseereise (1772-1775) dabei war. Und wie komme ich auf Georg Forster? Durch einen kleinen Bummel in meiner Lieblingsbuchhandlung Lehmkuhl. Ich hatte noch einen Geburtstags-Gutschein von meiner Schwester. Auf dem Neuheitentisch zog mich das Buch „Der Welterkunder. Auf der Suche nach Georg Forster“ von Frank Vorpahl magisch an.

Ein fehlendes Puzzlestück

Beim Lesen dieses Buches stellte sich dann heraus, dass Georg Forster quasi ein fehlendes Puzzlestück zu meiner sonstigen Beschäftigung mit Denkern aus dieser Zeit ist. So war Forster nicht nur Naturkundler/-zeichner und sprachlich unglaublich begabt, er war auch aktiv an der Gründung der Mainzer Republik beteiligt. In seinem Mainzer Haus gingen deutsche Denker und Geistesgrößen ein und aus. Forster war u.a. in Kontakt mit Humboldt, Goethe, Jacobi und Kant, und Frauen wie z.B. Caroline Böhme, spätere Ehefrau von Schlegel und Schelling, gingen bei Forster und seiner Frau Therese ein und aus. Auch insofern finde ich Georg Forster eine interessante Persönlichkeit, die das Bild der damaligen Zeit noch plastischer macht.

In 39 Jahren unglaublich produktiv

Georg Forster ist ein Mensch, der fasziniert. Ich kann gut verstehen, dass Frank Vorpahl in diesen Sog geraten ist und sich auf Forsters Spuren begeben hat. Es ist geradezu unglaublich, was ein Mensch alles erleben, aushalten und können kann. Über zwei Jahre mit James Cook auf der Suche nach „Terra Australis“, dem in der Antike postulierten Südkontinent, war Forster auf hoher See unterwegs und nahm teilweise erstmals mit fremden Kulturen Kontakt auf. Für damalige Verhältnisse war Georg Forster sehr fortschrittlich in seinem Denken und er war derjenige, der nicht nur an seinem Schreibtisch dachte und schrieb – wie beispielsweise Kant, der aus Königsberg so gut wie nie herauskam -, sondern wirklich die Welt sah und erlebte. Und nicht nur das, auch politisch war er aktiv und trat für die Ideale der Französischen Revolution ein. Es wurde ihm dann aber bewusst, dass die revolutionäre Praxis dem menschlichen Glück nicht wie ursprünglich gedacht entgegen kam. Selbst aufgrund seiner politischen Aktivitäten in Deutschland der Reichsacht verfallen, starb er mittellos und einsam mit 39 Jahren in einem Dachzimmer in Paris.

Unbekannte Welten

So wie wir heute unbekannte Welten im Kleinsten entdecken und erkennen müssen, dass unser Weltbild nicht abgeschlossen ist, so entdeckten damals die Menschen im Außen immer noch neue Inseln, Landstriche und Kulturen. Sie mussten erkennen, dass manches im bisherigen Weltbild nicht haltbar war und revidiert werden musste. Aber selbst rückwirkend bei der Lektüre dieses Buches kann man gar nicht umhin zu erkennen, dass wir auch heute noch in verbohrten Ansichten hängen und es mit unserer Weltoffenheit und Toleranz nicht so weit her ist. Und ich frage mich immer wieder, wieso es so ist, dass manche Bevölkerungsgruppen meinen, sie seien „höherstehend“ in der Entwicklung als andere? Wieso immer diese Wertung eines „höher“ und „weiter“? Wieso darf es nicht einfach anders sein? Denn ob die von den Europäern eingeleitete Weltherrschaft und Verbreitung ihres Glaubens wirklich ein Fortschritt war, das sei allemal dahingestellt.

Mein Buchtipp zu diesem Blogpost:

„Der Welterkunder. Auf der Suche nach Georg Forster“ von Frank Vorpahl