Sind meine Mandalas Kunst?

Ja, diese Frage schwirrt mir immer wieder mal durch meinen Kopf. Obwohl die Beantwortung unerheblich ist für mein Tun. Denn ich zeichne und male diese kleinen Gebilde nicht, weil ich mich als große Künstlerin rühmen will, sondern weil das aus mir raus will; weil ich selbst fasziniert bin von der Unerschöpflichkeit der Form- und Farbvarianten aus den immer selben Bausteinen anders kombiniert. Und weil ich in jeder dieser Formen eine Struktur sehe, die Symbol der Wirklichkeit ist. Eine Wirklichkeit, die sich ständig wandelt und verändert, aber im Kern immer gleich bleibt. Eine Wirklichkeit, die sich immer wieder aus sich selbst heraus neu gestalten kann.

Aus der Sicht eines Kunsthistorikers

Aus Sicht eines Kunsthistorikers, der mir einst ungefragt seine Meinung zu meinen Mandalas mitteilte, sind meine Werke im Schulunterricht die Note 4, im besten Falle Note 3 wert; sie sind nicht vergleichbar mit tibetischen Mandalas. Ich weiß noch, wie er vor mir stand und mir das lehrerhaft ins Gesicht sagte. Ich sah ihn an und fragte mich, ob er es wirklich nötig hat, mir das zu sagen? Offensichtlich ja. Vermutlich bezieht er seinen ganzen Selbstwert aus solchen Aussagen. Dass er im Schulunterricht beim Vergleichen von Äpfel und Birnen wahrscheinlich auch mit einer 4 abschneiden würde, hat er nicht überrissen. Denn dass ich mitnichten „tibetische Mandalas“ erschaffen möchte, hat er nicht kapiert. Und wen interessiert in der Mitte des Lebens eine Schulnote? Lächerlich.

Der Fluch des Vergleichs

Aber dennoch: alleine die Tatsache, dass ich diese Begebenheit nicht vergessen habe, zeigt natürlich, dass solche Bemerkungen doch irgendwie an mir nagen. Es gibt Zeiten, da juckt mich das alles nicht und dann gibt es Phasen, da bin ich echt „angepisst“ von dieser Kunstlobby, die entscheidet, was Kunst ist und was nicht. All das intellektuelle Geschwafel von Menschen, die den Künstler in sich selbst verstecken und lieber die aktiven Künstler kritisieren und bemäkeln (oder in den Himmel heben), weil sie selbst aus Angst, nicht anerkannt zu werden, erst gar nicht anfangen. Die Masse trottet wie immer gleich einer Herde Schafe denen hinterher, die bestimmen, was Kunst ist und was nicht. Für eine eigene Wahrnehmung und ein eigenes Urteil ist man wohl zu bequem und selbstunsicher. Es zählt nur, was von sogenannten „Experten“ angesehen ist und möglichst viel Geld kostet. Ein entsprechend einflussreicher Mensch schafft es spielend, einen Kuhfladen in einer Zimmerecke als große Kunst zu verkaufen. Der Künstler hat sich jede Menge dabei gedacht…

Jeder Mensch ist ein Künstler

Ich glaube, Kunst ist das, was ein Mensch nicht anders als kreativ zum Ausdruck bringen kann. Letztendlich ist alle Kunst auch Ausdruck der Persönlichkeit. Etwas, das sichtbar werden will – und vielleicht in gewisser Weise auch sichtbar werden muss. Was man tut, um anderen zu gefallen und von einer Expertenriege anerkannt zu werden, ist alles Mögliche, aber bestimmt keine Kunst. Dass meine Mandalas nun zufällig so harmonisch und gefällig sind – in einem Sinne, der dann eben gerade nicht als Kunst definiert wird -, ist nun mal so. Kunst ist so vielfältig wie das Leben selbst. Und mein Anliegen – wenn ich denn eines habe – ist ja genau zu zeigen, welche innere Harmonie eigentlich allem zugrunde liegt; dass alles mit allem verbunden ist. Lebenskunst ist meines Erachtens genau dies zu erkennen und frei zu werden für Entscheidungen und Handlungen, die die Wirklichkeit konstruktiv und kreativ formen.

Zum Thema „Kunst mit eigenen Augen sehen“ könnt Ihr hier einen sehr guten Beitrag meiner Schwester lesen:
„Kunst hassen. Eine enttäuschte Liebe“ – ein Beitrag auf Claudine liebt Kunst