Innere Bilder, die uns und unser Weltbild prägen

Wer meinen Blog verfolgt, der wird bemerkt haben, dass ich jemand bin, der sich selbst auf der Spur ist im Wissen, dass es nicht selbstverständlich ist zu wissen, wer man ist oder welche Lebensversion für einen selbst wirklich stimmig ist.

Eigene oder übernommene Lebenskonzepte?

Beim Blick in die Welt und Beobachten meiner Mitmenschen sowie meiner selbst frage ich mich oft, ob das, was da gelebt oder in einem gut funktionierenden Tagesablauf „abgespult“ wird, wirklich das ist, was die jeweiligen Menschen brauchen und wollen oder ob es einfach nur übernommen ist von der Umgebung, in die wir jeweils hineingewachsen sind?

Dichtung und Wahrheit

Im Grunde war das auch mein Gedanke beim vorletzten Blogpost zu Goethes Autobiographie. Es gibt immer wieder Menschen, die in ihrer Art zu leben herausstechen, weil sie durch ein spürbar authentisches Leben entweder etwas Besonderes schaffen oder eine entsprechende Wirkung als Person haben. Ist nicht das, was letztendlich von diesen Menschen bleibt und wirkt, das Aufzeigen neuer Bilder bzw. neuer oder anderer Lebenskonzepte und Sichtweisen auf die Welt? Als Beispiel dazu fällt mir z.B. Goethes „Stella“ ein: Goethe ließ das „Schauspiel für Liebende“ in der ursprünglichen Fassung ungewöhnlich modern enden und brachte ein „Bild“ in die Welt, für das die Zeitgenossen damals noch überhaupt nicht reif waren. Oder Leonardo da Vinci, der das „Bild“ vom Menschen, der fliegen kann, in die Welt brachte. Auch dafür war die Zeit damals nicht reif – aber das „Bild“ wirkte doch und heute sind Flugzeuge zur Normalität geworden…

Innere Bilder

Interessanterweise passt das soeben von mir (nochmals) gelesene Buch „Die Macht der inneren Bilder“ von Gerald Hüther hervorragend in meine Überlegungen. Denn in diesem Buch beschreibt Hüther, wie jede Entwicklung und Leben überhaupt von inneren Bildern – wie er es nennt – geleitet wird; sowohl auf genetischer als auch psychologischer Ebene. Dieses Buch – ebenso wie andere von ihm – kann ich Euch absolut ans Herz legen. Es gibt sie, die Menschen, die mit Herz und Verstand Wissenschaftler sind und das Ganze im Blick haben – eine große Bereicherung!

Welche inneren Bilder lenken uns?

Für mich stellt sich bei dieser Lektüre auch immer die Frage: Welche inneren Bilder leiten mich? In meiner Sicht auf mich selbst und die Welt, wer ich bin, was ich erreichen kann, wie ich leben kann und will oder eben auch nicht? Und ist es nicht tatsächlich so, dass sich erst dann im je eigenen Leben etwas verändert, wenn es einem gelingt, das innere Bild, die innere Einstellung zu sich und zum Leben zu verändern?
Wie viele unhinterfragte übernommene Anschauungen, die einen von Kindheit auf prägen, behindern uns in unseren Entfaltungsmöglichkeiten und blockieren uns auf dem Weg in ein wirklich erfüllendes Leben? Und ist nicht unser ganzes Gesellschaftskonzept, unsere Sicht auf die Welt, die wir Menschen uns von Generation zu Generation aufgebaut haben und immer noch weitergeben, an einem Punkt, an dem man kritisch hinterfragen muss, ob diese leitenden Bilder noch annähernd stimmig sind und ein wahrhaft menschliches Leben überhaupt ermöglichen?

Was sind Eure inneren Bilder, die Euch Mut und Hoffnung geben? Sind sie vereinbar mit dem, was Ihr tatsächlich lebt oder meint, leben zu müssen?

Buchempfehlungen rund um diese Gedanken:

„Stella“, Johann Wolfgang Goethe
„Die Macht der inneren Bilder“, Gerald Hüther
„Was wir sind und was wir sein könnten“, Gerald Hüther
„Die Freiheit ist ein Kind der Liebe“, Gerald Hüther/ Maik Hosang