Im Kleinsten ist alles*

„In minimis tota est“ lautet der schöne lateinische Satz des Londoner Arztes Thomas Moffett in seiner enzyklopädischen Studie über Insekten. Und wer sich ein wenig nur einliest in die Literatur, die es über Insekten gibt, der wird zustimmen und ebenfalls zugeben müssen, dass die „Erstaunlichkeit der Insekten Ehrfurcht weckt“. (S. 121 in „Insektopädie“ von Hugh Raffles).

Mit Husten & Erkältung zuhause

Nachdem ich mit Husten & Erkältung zuhause bin und leider auch überhaupt nicht in die Sonne mag – obwohl endlich so herrliches Wetter ist! -, lese und male ich viel, wobei ich eine Kanne Tee nach der anderen trinke. Wer ebenfalls von Husten geplagt ist, dem empfehle ich Malen oder Meditieren als absolute Hustenstiller.

Was meine derzeitige Lektüre betrifft, so habe ich durch das Buch von Hugh Raffles jede Menge Anregungen für weiteren Lesestoff bekommen. Eine meiner Entdeckungen: Jean-Henri Fabre. Mittlerweile habe ich bereits seine Biographie „Ich aber erforsche das Leben“ von Martin Auer gelesen und momentan befinde ich mich gerade in der Mitte des ersten Bandes seiner „Erinnerungen eines Insektenforschers“ . Unglaublich, wie spannend und unterhaltsam sich Fabres Beobachtungen lesen!

Parallelwelt im Kleinsten

Eine kleine Welt für sich ist die Welt der Insekten mit ihren eigenen Sinnesempfindungen und Wahrnehmungen, die wir wissenschaftlich selbst mit Hightech wohl weniger nachempfinden können als vielleicht Fabre, der in seiner hingebungsvollen Beobachtung aufging und mit Insekt & Welt verschmolz. Oder wie Raffles auf Seite 68 schreibt: „…der intuitive Zusammenhang von Beobachter und Beobachtetem, die tiefgreifende Übereinstimmung von Person und Welt, die Verschränkung von Leben und Werk.“

Jeder ist sein eigener Mittelpunkt

Hugh Raffles´ Buch ist so reich an Information, so vielfältig an Themen, die alle irgendwie mit der Insektenwelt zusammenhängen und uns die Augen öffnen dafür, wie stark wir mit den Kleinsten verbunden sind, wie sie unser aller Leben auf Schritt und Tritt mitgestalten und beeinträchtigen. Aber auch, was uns von ihnen unterscheidet, z.B. die Sinneswahrnehmung. Wie sehen Insekten? Wie nehmen sie die Welt wahr? Im Kapitel zum Sehen der Insekten weist Raffles darauf hin, dass wir quasi von Parallelwelten umgeben sind und „vertraute Gegenstände geheime Identitäten haben“ (S. 283). Denn wir wissen in vielen Bereichen nicht, wie und was Insekten wahrnehmen.
So bemerkt Raffles in seiner menschlich selbstkritischen Art, die mir sehr gut gefällt: „Wir bewegen uns durch all das nicht nur kurzsichtig, sondern behindert durch die Alltagsannahme, dass die Welt so ist, wie wir sie sehen. In dieser Hinsicht zumindest ist unsere Wahrnehmung eher oberflächlich, obwohl ich es ehrlich gesagt für unwahrscheinlich halte, dass Bienen oder Schmetterlinge sich nicht ihrerseits als Mittelpunkt fühlen.“ (S. 283)

Alles ist relativ

Mir kommen manchmal Gedanken wie: Wenn der Mensch auf einen Käfer tritt, ist das vielleicht nichts anderes, als wenn ein Mensch einen Autounfall hat?  Wer sagt, dass wir in diesem Falle nicht auch irgendetwas anderem, Größerem in die Quere kommen, das auf seinem Weg einen Menschen mehr oder weniger nicht mal wahrnimmt? Vielleicht haben wir auch nur den Horizont eines Käfers? Warum ist der Mensch sich seiner Größe immer so sicher? Alles ist relativ.

Meine Buchempfehlungen zum heutigen Blogpost:

„Insektopädie“ von Hugh Raffles
„Ich aber erforsche das Leben. Die Lebensgeschichte des Jean-Henri Fabre“ von Martin Auer
„Erinnerungen eines Insektenforschers“, Band 1, von Jean-Henri Fabre