Im Dialog mit Farbe und Form/ Teil II

Liebe Blogleserinnen und -Leser!
Ich wünsche Euch allen von Herzen ein gutes & gesundes Neues Jahr!
Mögen sich Wünsche erfüllen und gegebenenfalls der Mut bereitstehen, anstehende Veränderungen anzugehen oder sich für das bisher Bewährte jeden Tag von Herzen aufs Neue zu entscheiden. Für mich persönlich wird 2018 ein Jahr werden, in dem ich ein neues Gleichgewicht finden muss.
Und dieses Gleichgewicht hat vermutlich mit „meinen Farben“ zu tun…

Mein letztes Mandala im Jahr 2017 war wieder eines in dieser „typischen“ Farbkombi, die mich jedesmal beschäftigt, wenn sie dann so fertig vor mir liegt. Wieso diese Farben zusammen? Wieso jetzt wieder?

Und da fiel mir ein, dass ich zu dieser Farbkombination im November 2016 Emmanuel (Praxis Lebensfarbe) fragte, was er aus farbpsychologischer Sicht dazu sagen könne? Es ist lange her, es sollte Teil II zum Blogeintrag vom 14. November 2016 werden, was nie geschah.

Aber jetzt, aus gegebenem Anlass sozusagen, hörte ich mir die Sprachdatei von damals wieder an und staunte. Ob das Ganze für Euch so spannend ist wie für mich, bezweifle ich. Aber dennoch widme ich meinen ersten Blogbeitrag 2018 unserem Gespräch damals. Lest es oder lest es nicht. Letztendlich ist mein Blog meine Forschungsreise in Sachen Mandalas, die ich für mich selbst verfolge und festhalte. Und einer meiner Grundsätze fürs neue Jahr ist, dass ich mich nicht mehr darum kümmere, was andere denken. Sorry, ich bin zur Zeit etwas auf Krawall gebürstet – muss an den Sternen liegen… Wenn Uranus gerade über eines Menschen Mars im Widder läuft…

Teil II aus dem Gespräch mit Emmanuel von November 2016:

Kristina: Was hat die Farbkombination Tannengrün/Petrol mit Orange und Lila zu bedeuten, die sich bei mir phasenweise gehäuft und dann auch zwischendurch immer wieder zeigt? Kannst Du farbpsychologisch etwas dazu sagen?

Emmanuel: Ja, kann ich, aber zuerst meine Frage an Dich: Welche Bedeutung misst Du dem für Dich bei?

Kristina: Das kann ich nicht so genau sagen, ich kann nur sagen, dass das erste in dieser Farbkombination die Nummer 150 war, glaube ich. Davor kam diese Farbkombination nicht so vor bei mir und ich empfinde die Farbkombination als ziemlich kräftig. Schon ausgewogen, aber sehr kraftvoll. Und es kam in letzter Zeit immer öfter (Mandala Nr. 150, 152, 157, 159).

Emmanuel: Also, es ist ganz klar augenfällig, dass da eine bestimmte Häufung an gleichmäßigen Farbkombinationen in den vier Bildern auftaucht und dass es im Grunde auch um wenig zentrale, also eigentlich um ein zentrales Thema geht.
Man kann hier die Farbe und die Form nicht voneinander trennen, da die Mandalas aus Form und Farbe bestehen. D.h. also die Farbe und die Formgebung müssen berücksichtigt werden. Wenn ich mir jetzt das erste ansehe, die Nummer 150, dann würde ich von der Formgebung her erst mal von einem Aufgehen eines Themas, also von einem Reifen einer neuen Begrifflichkeit sprechen. Irgendetwas taucht in diesem Mandala für Dich neu auf. Es muss jetzt nicht ein vollkommen neues Thema sein, es kann auch eine Neubewertung eines alten Themas sein. Es beginnt hier sozusagen ein neues Kapitel: entweder etwas ganz Neues, das in Dein Leben tritt oder die neue Bewertung eines alten Themas, also eine Neuausrichtung.

Dieses Orange oder dieses neue Thema in der Mitte ist eine Farbe des Austausches, der Wunsch in den Dialog zu treten, während Petrol und die anderen Blätter, die ja auch schützen, die Impulse sind, die nach innen gehen. Der Wunsch, im Inneren eine Ausrichtung oder eine Sicherheit zu finden, die dieses Neue – oder wie gesagt: es muss nichts komplett Neues sein, es kann auch eine neue Ausrichtung sein. Ein Thema, das wichtig ist, wird neu bewertet und als Sicherheit der Wunsch, in sich eine bestimmte Statik zu entwickeln, d.h. eine Ausgewogenheit zu entwickeln zwischen dem Wunsch nach außen, nach Kontakt, und den inneren Impulsen. Das sollte so ausgewogen sein, dass es halt nicht zu einem Ungleichgewicht kommt, was einen vielleicht in dieser Situation momentan überfordern würde – also Ungleichgewicht ist ja hier nichts Negatives: Wenn ich in Bewegung bin, habe ich immer auch ein gewisses Ungleichgewicht. Wir brauchen ein Ungleichgewicht, sonst würden wir die nächsten zwanzig Jahre ja auf dem Stuhl sitzen. Also hier wirklich das aufkeimende Thema, was neu heraustritt, und dazu noch die Blätter, diese Ausleger, die das Neue schützen. Und dieser Schutz, den suchst Du jetzt, aber auch den Impuls nach außen. Diese beiden sollten noch ausgewogen sein.

Diese Petrolfarben bzw. diese Farben, die Du genannt hast, sind ja Farben die schon ins Blau changieren – auch Violett -, und das ins Blau gehende Grün steht für den Wunsch nach Sicherheit, indem man für sich erstmal klärt, was man will und auf dieser Basis dann nach außen geht und dann die neuen Impulse setzt. D.h. ein ganz großes Thema ist: Wie stehe ich sicher da? Wir wissen ja, wenn wir nach außen gehen, brauchen wir eine gewisse Standfestigkeit. Wenn ich nicht stehen kann, kann ich auch nicht gehen. Der Wunsch, einen sicheren Stand zu haben und sich in Bewegung zu setzen, ist Bild 150.

Bei Bild 152 wird der Wunsch hier in eine uns augenfällige Dynamik, die bereits in vollem Gange ist, umgesetzt. D.h. dort ist es so, dass Du Dich bereits in Bewegung gesetzt hat, man sieht ja auch, dass die Verteilung der Farben auch ganz anders ist, d.h. hier öffnest Du Dich.

Also, im zweiten setzt sich also der Wunsch, der im ersten schon da ist, in Bewegung. Er wird umgesetzt im Sinne, dass Du die Konkretisierung des Wunsches in die Welt bringst. Es geht jetzt nicht darum, dass man sagt, ich mache jetzt sofort Punkt A bis C – darum geht´s nicht -, sondern es von einer Ebene der Wunschvorstellung bzw. einer Sehnsucht in konkrete, denkbare Handlungsschritte zu führen. D.h. nicht, dass man jetzt plötzlich anfängt, eine To-Do-Liste zu machen und dann sagt, nächste Woche muss das und das passieren; darum geht es nicht. Es ist ja ein Unterschied, ob ich mir etwas wünsche, eine Sehnsucht habe und denkbar mache oder es schon in konkrete Handlungsschritte umsetze. Diese Arbeit muss zuvor ja geleistet werden, bevor man dann überhaupt anfängt. Hier in diesem Bild ist also die Expansion da, die Fühler werden ausgestreckt und man zeigt sich auch: Ich bin bereit, die Einflüsse, die da so auf mich zukommen, aufzunehmen.

Und beim nächsten Bild (157) – wie beim Ein- und Ausatmen auch, was ja auch gesund ist – gibt es wieder eine Phase der Introversion. Expansion ist nicht grundsätzlich besser als sich in sich zu sammeln. Das ist ganz wichtig: die Kräfte und die Impulse, die man von außen aufgenommen hat, wieder zu sammeln und zu schauen, was wichtig ist und den Rest auszusortieren.

Wie jetzt auch zu dieser Jahreszeit: man meint, es blüht nichts, es passiert nichts – aber nein, es passiert sehr viel! Das ist die Voraussetzung, dass im Frühjahr wieder alles blühen kann. Und deswegen ist auch dieses Bild (157) die Sammlung der Energien, das Einsammeln von Gedachtem und Erlebtem, um sich dann neu aufzumachen. An was mich dieses Bild erinnert: Es ist ja fast wie Kompassnadeln; sich eine innere Richtung geben.

Kristina: In dem Blogbeitrag damals schrieb ich auch etwas über „Neuformierung“: „Bei mir sein heißt auch, dass ich mir bewusst werde, was sich alles bewegt in meinem Leben. Zur Zeit habe ich das Gefühl, kein Stein bleibt auf dem anderen…“ usw.

Emmanuel: Ja, das würde dann ja passen! Aber hier ist es vor allem so, es erinnert mich wirklich an Kompassnadeln: dass man sich immer wieder neu auslotet. Und deshalb braucht man hier auch die Zeit für sich und die Zeit des Rückzugs. Wenn man dauernd im Außen ist, dann verliert man sich.

Kristina: Das ist die Bewegung, die ich bei mir eh feststelle – ich zähle mich ja mehr zu den introvertierten Persönlichkeiten -, dass ich, wenn ich merke, ich habe zuviel Expansion und Ausrichtung nach außen, dann packe ich das nicht, dann muss ich automatisch wieder nach innen gehen.

Emmanuel: Absolut! Und es ist auch so: wenn ich einatme, dann ist es sinnvoll, auch irgendwann wieder auszuatmen. Man kann nicht sagen, beim Einatmen bekommt man Energie – das stimmt so nicht, denn das Ausatmen gehört dazu. Es sollte ein gleichmäßiger Prozess sein, wie bei Ebbe und Flut.

Es ist interessant, dass das vierte Bild (159) ja eigentlich diese Synthese ist aus den drei vorhergehenden Bildern. Die Expansion ist etwas geregelter, das nach außen Gerichtete ist grundsätzlich erstmal kleiner und es ist so, dass sich dann Elemente verbinden – sehr interessant: es sieht so aus, also ob Du noch etwas eingebaut hättest. Du hast noch eine zweite Ebene in die Expansion eingebaut. Im Außen ist es so, dass Du für Dich etwas mit reinnimmst und dieses nach außen Gehen für Dich besser nutzbar machst.

Kristina: Woran würdest Du das jetzt festmachen?

Emmanuel: Beim ersten Expansionsbild ist es sehr offen, alles wird erstmal aufgenommen. Wer sich weit aufspannt, bekommt alles mit, was daherkommt. Und man muss natürlich, wenn man im Wind steht, auch stabil stehen. Und diese Gefahr hast Du ja mit dieser Gegenbewegung in Bild 157 gut gebannt. D.h. Du möchtest wissen, wo Du stehst. Das ist sehr hilfreich, aus dieser Position ins Neue zu gehen. Deswegen ist das vierte Bild eine Synthese daraus: aus dem Wunsch, nach außen zu gehen, aber auch der kontrollierten Neuorientierung.

Kristina: Im Bild 152 bin ich noch „waghalsiger“…

Emmanuel: Ich würde sagen ungefilterter. Das sind ja unbewusste Prozesse und das heißt, dass ungefilterte Einflüsse in Dein System eindringen. Und die hast Du in Bild 157 mit Deinem „Kompass“ verarbeitet und kannst wieder nach außen gehen, weil Du wieder weißt, von welcher Position aus Du weitergehst. Das ist eine Entwicklung.

Kristina: So habe ich das irgendwie auch empfunden, wie eine Entwicklung.

Emmanuel: Das Interessante: Obwohl ja die Mandalas bestimmte vorgegebene Strukturen haben, erkennt man innerhalb der Struktur auch die individuellen Entwicklungen.

Kristina: Das war mir nicht so bewusst. Ich dachte halt, es sind Mandalas, die schauen sowieso alle ähnlich aus. Gut, da waren noch andere dazwischen mit anderen Farben…

Emmanuel: Ja, aber der Weg führt dorthin. Es ist eine Evolution, es ist, als ob sich eine neue Struktur entwickelt und das braucht Zeit.

Kristina: Das ist interessant, weil ich dachte immer, dadurch, dass ein Mandala in seiner Form schon vorstruktiert ist, es nicht mehr soviel Aussagekraft hat.

Emmanuel: Haben sie doch! Es sind keine Zufälle und es ist auch wirklich so, dass Du in jedes Mandala soviel Individualität hineinbringst, dass sie für die einzelne Lebenssituation stehen, in denen Du sie gezeichnet und gemalt hast. Es ist auch wirklich interessant, sie in Zukunft zeitlich zuzuordnen.

Kristina: Ich habe sie allerdings, wie gesagt, nie mit Datum versehen. Aber irgendwie auch bewusst, weil ich den Moment betonen wollte, dass jedes einfach einen Moment im Universum verkörpert. Wobei sie durch die Nummerierung auch eine gewisse zeitliche Folge bekommen.

Emmanuel: Also man könnte persönliche Situationen, die einschneidend sind, auf jeden Fall an den Mandalas feststellen.

Kristina: Was für mich ganz klar ist, dass – wenn man die Galerie so durchgeht -, dass die Farben sich sehr verändern. Zu Beginn sind die Farben sehr gedeckt, zum Teil immer die gleichen, viel Lila und auch Braun, und später werden sie immer heller und leuchtender mit einer mutigeren Farbpalette. Dass meine Mandalas insgesamt eine Entwicklung in meinem Leben zeigen, empfinde ich immer schon so. Aber dass man da soviel rauslesen kann, ist neu für mich.

Emmanuel: Für mich auch! Es ist interessant, was man alles herauslesen kann, wenn man genau hinsieht, sich damit beschäftigt und sich die Zeit lässt, sich damit zu befassen. Sehr spannend!

Kristina: Ganz herzlichen Dank, Emmanuel!