Im Dialog mit Farbe und Form/ Teil 1

farbdialog_mandalavision_ejknauerHeute habe ich einen besonders interessanten Blogpost für Euch!

Farbdialog als Wegweiser

Mein Freund Emmanuel Julien Knauer war vergangene Woche bei mir und wir waren wieder im Dialog – im Farbdialog, um genau zu sein. Emmanuel ist Heilpraktiker für Psychotherapie und arbeitet als Kunsttherapeut mit dem Farbdialog nach Bruno Huber. Seit ich durch meinen Farbdialog bei Emmanuel einiges bewegen und verändern konnte, kann ich jedem, der irgendwo feststeckt im Leben und weiterkommen möchte, sehr ans Herz legen, einen Farbdialog bei ihm zu machen. Es ist wirklich erstaunlich, was wir still malend aus unserem wissenden Unbewussten auf Papier offenlegen können, um uns damit selbst der beste Wegweiser zu sein.

Mandalas und (Farb)Psychologie

Da wir beide uns privat schon ziemlich lange kennen und immer wieder sehr anregende, inspirierende Gespräche führen, hat mich interessiert, ob Emmanuel mir zwei Fragen bezüglich meiner Mandalas beantworten möchte? Emmanuel hat zugestimmt und so gebe ich hier mein kleines Interview – Frage 1 davon – mit ihm wieder.

Statische und dynamische Mandalas

Kristina: Emmanuel, die erste Frage bezieht sich auf die Tatsache, dass die meisten meiner Mandalas einen statischen Charakter haben, zwischendurch aber immer wieder dynamische Mandalas auftauchen. Die statischen ruhen in sich, die dynamischen Mandalas wirken bewegt, in etwa wie Wind- oder Wasserräder, die sich drehen. Ich selbst glaube, dass die dynamischen bei mir in Phasen auftauchen, in denen sich innerlich irgendetwas in Bewegung setzt, auch wenn es mir noch nicht bewusst ist. Was meinst Du dazu?

mandalavision_statisch_dynamisch

Emmanuel: Ich meine, dass es gar keiner Unterscheidung bedarf zwischen statisch und dynamisch aus folgendem Grund: Auch die sogenannten statischen Bilder haben eine Dynamik – Du hast ja schon richtig gesagt: sie ruhen in sich -, denn Ruhe ist ein dynamischer Prozess. Es ist so, dass die Kräfte sich in einer ausgleichenden Bewegung befinden. Eine Ruhe, die vorhanden ist – wie z.B. auf der Wasseroberfläche – ist immer von dynamischen Kräften unterlegt, die sich scheinbar aufheben. D.h. also es besteht nur eine andere Qualität der Dynamik in sogenannten statischen Bildern. Andere Kräfte wirken, aber es ist keine Statik, es ist nichts Statisches, nichts Stagnierendes. Ich würde sagen, es ist eine Dynamik erster Ordnung bei Deinen sogenannten statischen Bildern, bei den anderen Bildern würde ich von Dynamik zweiter Ordnung sprechen, d.h. die Dynamik wird augenfällig. Aber bevor ein dynamischer Prozess nach außen tritt und augenfällig wird, haben schon viele, viele uns nicht bewusste Prozesse bereits stattgefunden. Was das Auge als statisch wahrnimmt, ist in Wirklichkeit aber ebenso ein dynamischer Prozess.

Kristina: Das würde dann für die ganze Welt gelten. Die Welt ist immer in Veränderung, auch wenn wir meinen, manche Dinge sind fest, statisch, unbeweglich, immer gleich bleibend.

Mandala_156Emmanuel: Ja, auf der Molekularebene würden wir auch sehen, dass nichts statisch ist. Selbst bei einem Tisch unter einem Elektronenmikroskop würden wir sehen, dass die Moleküle nur so flitzen. Unsere Sinnesorgane signalisieren uns Stabilität – bei der Tischplatte z.B. -, d.h. der Tisch ist zwar stabil, aber streng genommen nicht statisch. Nichts im ganzen Universum ist statisch. Und so würde ich das auch mit den Mandalas sehen: Die Mandalas, wenn man sie genau betrachtet bzw. wenn man sie mit seinem inneren Auge sieht, dann würde man erkennen, dass sich die statischen Mandalas einfach nur  im Gleichgewicht der Kräfte befinden.

Kristina: Schön, diese Sichtweise bestätigt meine These, dass Mandalas Momentaufnahmen des ewig Einen sind, das sich in ständiger Verwandlung befindet. Letztendlich – in meinen Augen – Symbole der Wirklichkeit, die in ständiger Bewegung und Veränderung ist.

Reagieren Männer und Frauen anders auf Bewegung und Stabilität?

Kristina: Eines interessiert mich noch zu diesem Thema, nämlich ob Claudias und meine Beobachtung richtig sein kann, dass Männer oft mehr auf die „dynamischen“ und Frauen eher auf die „statischen“ Bilder ansprechen?

mandala_49Emmanuel: Ich erinnere mich, dass auch bei Deiner Vernissage sich die Männer vorwiegend an die Bilder mit dynamischem Charakter gehalten haben. Insofern ist die Beobachtung als Beobachtung auf alle Fälle richtig.
Ich würde sagen, dass es alte archaische Muster sind, die uns unbewusst prägen. Es ist so, dass Männer, was durch Tests bewiesen ist, im räumlichen Sehen eine andere Art des Verarbeitens haben. Männer sprechen auf räumliche Veränderungen anders an als Frauen. Es kann durchaus sein, dass das aus der evolutionären Vergangenheit kommt, dass Männer, die ja mehrheitlich gejagt haben, sich über Abstand, Geschwindigkeit und Veränderung der Situation ein dreidimensionales Bild machen mussten und sich das auch ausgeprägt hat.
Während das Urpotential der Ruhe und des Aufgehobenseins evolutionär den Frauen zugeschrieben ist. Das würde auch beschreiben, warum eigentlich die allerersten religiösen Objekte oder Tempel den Frauen gewidmet waren. Die Religion war in den Ursprüngen der Menschheit weiblich. Man hat den Göttinnen einen festen Ort gewidmet, während der Mann hinauszog in die Welt.

Kristina: Das könnte man biologisch auch so sehen: die Eizelle hat einen festen Ort, während die Samenzelle sich bewegen muss, damit Leben möglich ist.

Emmanuel: Ja, richtig. Und Ich denke – da gehe ich wieder auf C.G. Jung zurück: Bewegungsmuster und Formen sind archaisch, archetypisch in uns verankert und deswegen gibt es da Unterschiede in der weiblichen und in der männlichen Wahrnehmung.