Hummel-Welten

311 Seiten über die Hummel. Kann man das lesen? Ja!

Fast in einem Zug habe ich Dave Goulsons Buch „Und sie fliegt doch“ (List Verlag) ausgelesen. Ein unglaublich interessantes Buch, das sich so unterhaltsam liest wie ein Roman und fasziniert von der ersten bis zur letzten Seite.

Wieso ein Buch über Hummeln?Hummelbutton1

Dass dieses Buch auf meiner Leseliste stand, ist wohl der Beobachtung auf dem Friedhof zu verdanken, als ich vor Jahren dort eine Grabsteininschrift neu malte. Neben mir musste ein Hummelnest seinen Eingang in einem Erdloch haben und da flogen die „Flauschbällchen“ – wie sie Goulson liebevoll nennt – ein und aus. Ich war durch die ruhige Beschäftigung offensichtlich keine Störung für sie und ich fühlte mich auch von den Hummeln nicht gestört. Irgendwie mochte ich die dicken, gemütlich brummenden Hummeln immer schon lieber als Bienen und Wespen.

Dave Goulson nimmt den Leser autobiographisch mit auf eine spannende, humorvolle Reise und vermittelt dabei jede Menge Wissenswertes und Faszinierendes über die Hummel sowie andere Insekten und Pflanzen und deren Zusammenhänge in der Natur. Dieses Buch öffnet die Augen für die im wahrsten Sinne wundervolle Welt, in der wir leben.

Statt Unkrautzupfen, genießt die Natur und lest ein Buch!

LesenStattUnkrautEinen Großteil des Buches konnte ich im Garten meiner Schwester lesen, gemütlich mit einer Tasse Tee im Halbschatten und dem freudigen Wissen, dass Kleingärten und jeder Blumenkasten dazu beitragen, dass Hummeln genug Nahrung haben, neue Königinnen und Drohnen großzuziehen, die die nächste Generation sichern. Das akribische Unkrautzupfen und frühzeitige Mähen zugunsten eines kultivierten Rasens sollte von Naturliebhabern besser unterlassen werden, da es der Insektenwelt erheblichen Schaden zufügt. Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und Käfer sind dringend auf Blumen, auch blühendes Unkraut angewiesen.

 Hummeln fliegen Mandalas

Da ich so gut wie nichts lese, ohne auch der Mandalastruktur auf der Spur zu sein, bin ich natürlich hocherfreut, folgende Zeilen in Goulsons Buch über die Erkundungsflüge junger Hummeln gefunden zu haben: Mandala_151„Jede dieser Schleifen ging in eine andere Richtung – und als man die Flugwege grafisch auf einer Karte darstellte, ergaben sie ein Muster, das große Ähnlichkeit mit der Form einer Blüte besaß: das Nest in der Mitte und drum herum die Schleifen, angeordnet wie Blütenblätter.“ (S. 89) Das ist die Beschreibung eines Mandalas!

Noch einen Satz von Dave Goulson möchte ich als kleinen Denkanst0ß allzu von sich überzeugten menschlichen Artgenossen mit auf den Weg geben: „Es lässt einen demütig werden, wenn man darüber nachdenkt, dass Hummeln, obwohl ihr Hirn kleiner ist als ein Reiskorn, eine Wahrnehmungs- und Lernfähigkeit besitzen, von der wir Säuger nur träumen können.“ (S. 107)

Meine Buchempfehlung für Garten-Lesestunden: