Heute ist Halloween

Heute ist Halloween und ich merke, wie alt ich geworden bin! Denn mal ehrlich: Wer vor den 1990ern geboren ist, der kennt Halloween eigentlich gar nicht und wundert sich jedes Jahr aufs Neue über die verletzten Kinder – so ging es mir letztes Jahr, als ich besorgt ein Kind mit blutdurchtränktem Verband am Kopf sah (was ich ziemlich geschmacklos fand, als ich bemerkte, dass es eine Halloween-Verkleidung war…). Wer schon etwas älter ist, der kennt den 1. November als den Feiertag, an dem auch die zum Friedhof gehen, die ihn sonst immer meiden. Allerheiligen ist in meiner Erinnerung ein grauer, kalter Novembertag mit Chrysanthemen, furchtbar ernst und genau das Gegenteil von Feierlaune, Kostüm und Süßigkeiten. Anders eben in Amerika – Halloween – und auch in Mexiko – Dia de Muertos -, dort wird gefeiert mit Kostümen, Farbenrausch und Süßigkeiten.

Viele Namen, eine Bedeutung

Aber im Grunde hat alles denselben Ursprung: Es wird der Tod als Teil des Lebens in Erinnerung gerufen und der Toten gedacht. Nur dass wir hier in Europa, geprägt vom Christentum – warum ist es nur immer so unglaublich ernst und freudlos? -, als Kinder zurechtgewiesen wurden, wenn wir an Allerheiligen lustig waren und tanzten (ich kann mich eigentlich gar nicht erinnern, dass das überhaupt jemals willkommen war…).

In diesem Geist aufgewachsen, fällt es mir tatsächlich schwer, diesen Hype um Halloween gut zu finden. Ich habe manchmal das Gefühl, es ist alles nur willkommen, weil der Konsum boomt und der Rubel rollt. Wer bitte ist sich der Bedeutung dieser Nacht und des Tags darauf bewusst? Eine Bedeutung, die vermutlich allen Naturvölkern naheliegt, die spätestens jetzt Sommer und Herbst verabschieden und sich in die dunkle Jahreszeit zurückziehen. Eine Jahreszeit, in der nicht mehr überlebt, was bereits schwach ist und zu wenig Kraft hat. Eine Jahreszeit, in der der Mensch ursprünglich genötigt war, viel zu ruhen und sich zu besinnen darauf, dass alles einmal endet und vergeht. Es mag im neuen Jahr auferstehen und frisch grünen und blühen. Aber erstmal ist Ruhe und Dunkelheit angesagt.

Am sympathischsten ist mir beim Nachlesen die mexikanische Variante, bei der vom Abend des 31. Oktober bis Beginn des 2. November gefeiert wird, wobei die sich zu den Lebenden hinzugesellten Seelen der Verstorbenen um Mitternacht wieder verabschiedet werden. Dort wird auf den Friedhöfen gegessen, getrunken, musiziert, getanzt und gesungen. Ich persönlich werde heute mit den paar Lieben, die ich schon verabschieden musste, in Gedanken ein Glas Wein trinken – fernab vom Halloween-Treiben in der Stadt…