Handschriftliche Erinnerung

MandalavisionHandschrift4Eine der schönsten Entwicklungen aus 2016, die sich 2017 jetzt spannend und ereignisreich fortsetzt, ist meine Zusammenarbeit mit der Schreib-erlebniswelt. Dort fühle ich mich genau am richtigen Platz, weil ich mich für Schreiben, Handschrift und Kalligraphie immer schon interessiere. Dass die „Bewahrung der Handschrift“ einmal Thema sein würde und es mittlerweile tatsächlich Kinder gibt, die bei etwas längerem Schreiben Krämpfe in der Hand bekommen, das hätte ich mir nicht träumen lassen und ich glaube, hier gibt es dringend Handlungsbedarf. Handschrift darf nicht verloren gehen.

MandalavisionHandschrift55 Seiten Handschrift

Für mich, die ich 1993 eine 55-seitige handgeschriebene Facharbeit in Deutsch einreichte, ist es schier unvorstellbar, dass man nicht mehr mit Hand schreiben mag oder kann. Allerdings war ich auch damals bereits eine Ausnahme, denn fast alle meine Mitschüler gaben ihre Arbeiten schon in gedruckter Form ab. Für mich aber war vollkommen klar, dass ich eine Facharbeit über Goethe und Novalis nur in der dazu passenden Form einreichen würde: handschriftlich mit Feder & Tinte auf schönem Papier.

MandalavisionHandschrift3(an wenigen Stellen musste ich altmodisch ausbessern und habe den Fehler überklebt…)

Fast in Vergessenheit geraten

Meine Facharbeit war damals mein ganzer Stolz. Weniger wegen des Aussehens – das war für mich immer so selbstverständlich, auch wenn es anderen oft Bewunderung entlockte -, sondern weil ich mit dieser schriftlichen Arbeit gefunden hatte, was mich WIRKLICH interessiert: das Gefühl der Sehnsucht und die Suche nach dem, was „die Welt im Innersten zusammenhält“. In der Facharbeit ging es um Goethes Wilhelm Meister, aber das Faust-Zitat trifft es wohl in Kurzform am besten.

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Der rote Faden

Rückwirkend betrachtet ist diese Facharbeit der Beginn des roten Fadens durch mein Leben. Und durch das Buch, das ich gerade lese – „Die Verzauberung der Welt“ von Ernst Peter Fischer (dazu wird es noch einen extra Blogpost geben) -, habe ich mich nicht nur an Goethe, sondern auch wieder an Novalis erinnert. Und an meine Facharbeit. Daran, dass ich ähnlich wie E.P.Fischer festgestellt hatte: Klassik und Romantik ergänzen einander und führen ohne einander nicht weit. Und daran, dass ich diese 55 Seiten vor 24 Jahren mit Hand schrieb – woran ich heute mit meinem Engagement für die Schreiberlebniswelt wieder anknüpfe. Das finde ich wunderbar!

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