Handschrift überlebt…

Momentan komme ich gar nicht zum Zeichnen und Malen. Zu sehr bin ich beschäftigt, meine Wohnung umzuräumen, auszuräumen, neu zu sortieren.

Leben in Kapiteln

Auch wenn ich das Gefühl habe, es mir nicht so auszusuchen, kann es durchaus sein, dass ich unbewusst doch immer wieder in diese Lebenskapitel schlittere, um mich weiterzuentwickeln und zu wachsen. Jeder lebt sein Leben anders, aber alle müssen wir es vorwärts leben, auch wenn wir es nur rückwärts verstehen können – in Anlehnung an ein treffendes Zitat Søren Kierkegaards. Ich hätte es gerne mal anders, aber vielleicht fürchte ich doch auch zu sehr den Stillstand, das mich Drehen in einer alltäglichen Routineschlaufe, die mir einfach zu wenig Bewegungsfreiraum lässt.

Fleißig gelöscht…

Auf meinem Rechner hatte ich Anfang des Jahres alles gelöscht, was ich die letzten Jahre so zusammengeschrieben und gespeichert hatte. Ich dachte mir, das gehört eigentlich nicht mehr zu mir. Es war so ein Bedürfnis, vieles hinter mir zu lassen und einfach dort zu sein, wo ich jetzt bin.

Handschrift bleibt

Auf dem Rechner ist insofern nichts mehr zu finden. Ich bereue es nicht, ich bin ein großer Freund des Löschens und Aussortierens. Aber als ich heute meine Regale neu einräumen musste, stolperte ich über all meine handschriftlichen Aufzeichnungen – und ich stolperte über mich. Ich muss wieder an Montaigne denken: denn je mehr ich mich kennenlerne, desto verwunderter bin ich über mich selbst und kenne mich im Grunde nicht. Ich wundere mich auch, wieviele Menschen oft kundtun, sich zu kennen, weil sie doch genau wissen, was sie wollen und wer sie sind. Denn ich glaube, sich zu (er)kennen bedeutet zu wissen, sich im Grunde nicht besonders gut zu kennen.

Handschrift lebt

Außerdem durfte ich wieder feststellen, dass Handschrift soviel mehr transportiert als nur Buchstaben und Worte. Handschrift transportiert Erinnerung, Einzigartigkeit, Originalität und Leben. Ich wage mir nicht auszudenken, in welch armseligen Zeiten unsere Nachkommen leben werden, wenn sie keine Tagebücher, Zeichnungen und Briefe mehr als Erinnerung an ihre Lebensgeschichte finden werden, um rückwirkend ihr Leben besser zu verstehen.

Leben als Text

Leider kann ich nicht wirklich verstehen, wieso ich jetzt wieder genau dort stehe, wo ich jetzt stehe?! Ich würde immer gerne den Sinn in allem erkennen. Und während ich so in meinen alten Aufzeichnungen blätterte, flog mir plötzlich ein einzelner Zettel aus einem der Notizbücher entgegen. Ein merkwürdiger Moment, denn auf diesem Zettel war ein Zitat von Arthur Schopenhauer notiert: „Wünschen, dass irgendein Vorfall nicht geschehen wäre, ist eine törichte Selbstquälerei. Denn es heißt etwas Unmögliches wünschen und ist so unvernünftig wie der Wunsch, dass die Sonne im Westen aufginge. Wir sollen vielmehr die Begebenheiten, wie sie eintreten, mit eben dem Auge betrachten wie das Gedruckte, welches wir lesen. Wohlwissend, dass es da stand, ehe wir es lasen.“