Geld ist kein Naturgesetz

Was mich in letzter Zeit wieder mal beschäftigt, ist das Thema Geld. Denn einerseits bin ich jemand, der sein Leben nicht nach den Finanzen ausrichtet – würde ich das, so lebte ich gewiss nicht mein Lebenskonzept -, andererseits aber ständig konfrontiert ist mit dem Thema, weil eben nicht genügend Geld vorhanden ist, um all meine Ideen und Pläne umzusetzen. Einerseits fühle ich mich reich, andererseits stoße ich ständig an meine finanziellen Grenzen. Ich weiß, dass sich viele wundern würden, wie bescheiden ich im Vergleich zu meiner Umgebung lebe.

Wer hat es erfunden?

Wie konnte es soweit kommen, dass der Mensch dermaßen abhängig und unterjocht ist vom Geld, das quasi seine eigene Kreatur ist? Geradezu abstrus ist es, dass die meisten Menschen vom Geld reden, als sei es ein gegebenes, unerschütterliches Naturgesetz. Die meisten machen sich nicht mal die Mühe hinzusehen und ehrlich zuzugeben, dass wir uns unseren Sklaventreiber selbst erschaffen haben – und ihn genauso gut abschaffen könnten! Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger kann ich fassen, wie unglaublich bereitwillig sich der Mensch von seinen eigenen Erfindungen das Leben versauen lässt – und nebenbei aus lauter Profitgier seine Lebensgrundlage zerstört. Da wird von Aufklärung geredet, von Gerechtigkeit und Menschenwürde – das ist ein Witz, oder? Wir leben sozusagen in einem großen Athen, in dem die wenigen mit Besitz die Herrschenden sind. Ob 500 vor oder 2.000 nach Christus: die Ungerechtigkeit und das Ungleichgewicht haben sich nur globalisiert. Das ist alles, was passiert ist im Laufe der Menschheitsgeschichte.

Geld-Träume

Ich träume in letzter Zeit wieder öfter von Geld. Das sind unterschiedliche Träume. Meist habe ich noch ein paar Groschen in der Tasche und kaufe mir vom letzten Geld eine Fahrkarte oder – wie neulich – Lebkuchen für 3,40 €. Einmal träumte ich, dass ich eine lebensbedrohliche Krankheit habe und mir vom Arzt ein Mittel in einer kleinen Ampulle unter die Nase gehalten und empfohlen wird, das allein Heilung bringen kann. Er nannte im Traum auch den Preis. Ich hatte das Geld nicht und musste dankend ablehnen. Was mir im Wachleben oft nicht so bewusst ist, weil ich in gewisser Weise zu den Reichen der Welt gehöre – alles ist relativ! -, kommt in solchen Träumen zum Ausdruck: Existenzängste.

Jupiter im zweiten Haus

Wie gut, dass ich auf meine Art mit einem wunderbaren Optimismus gesegnet bin und auch mit der Einstellung, dass es Wichtigeres gibt als Geld und finanzielle Absicherung auf allen Ebenen. So finde ich z.B. die Szene in “Charlie und die Schokoladenfabrik” besonders schön und wertvoll: Auf die Frage, ob er seinen Gewinn in Form eines Eintritts in die Schokoladenfabrik für die arme Familie verkaufen soll, sagt der Großvater zum Enkel: “Wer wird denn einen Besuch in der Schokoladenfabrik gegen so etwas Unwichtiges wie Geld eintauschen?” In diesem Sinne vertraue ich weiterhin auf meinen Jupiter im zweiten Haus – wird schon schiefgehen. Und falls mich die unheilbare Krankheit aus dem Traum ereilt, dann wird das seinen Sinn haben. Dann überlasse ich diese absurde, verdrehte Welt gerne denen, die an ihrem Geld und ihrer Gier ersticken.