Die Wallace-Riesenbiene

Liebe Blogleserinnen und -Leser! Heute muss ich einfach schreiben, weil mein Naturforscher-Herz völlig aufgewühlt ist! Lese ich doch nicht zufällig auf einer Seiteneinblendung, dass die größte Biene der Welt, die Wallace-Riesenbiene – oder lateinisch Megachile Pluto (ist das nicht ein toller Name?) – seit 38 Jahren wieder gesichtet worden ist.

Warum wühlt mich diese Nachricht so auf?

Wer meinen Blog verfolgt, kennt mein Naturkunde-Faible und insbesondere meine Insekten-Faszination. Aber das allein ist es nicht, sondern die Tatsache, dass ich seit 7 Jahren rätsle, welche riesige schwarze Biene ich – leider tot – an einem Strand auf Koh Tao damals sah? Am 3. August 2012, am ersten Tag der Ankunft auf Koh Tao, am ansonsten enttäuschenden Chalok Baan-Strand stieß ich zwischen Hölzern, Muscheln und Steinchen auf eine riesige schwarze Biene am Strand: tot, schlapp, sanft mit der Bewegung des Meerwassers im Sand vor und zurück schwappend.

Faszinierend und ehrfurchtgebietend

Ich konnte es gar nicht fassen! So ein riesiges Insekt und ganz offensichtlich eine Biene! So notierte ich es abends auch in mein Reisetagebuch und skizzierte sie aus der Erinnerung. Allerdings traute ich mich nicht, das tote Insekt aus dem Sand zu fischen. Denn obwohl das Insekt ganz wahrscheinlich tot war, war es in seiner Größe so ehrfurchtgebietend, dass ich lieber nicht hinfasste. Also stand ich nach unten gebeugt, sehr lange, und saugte diesen Anblick in mich ein. Sie war schwarz und hatte auffallend große Augen. Die Flügel waren – im Gegensatz zu meiner Zeichnung – nicht ausgeklappt, sondern schwappten schlapp am Körper der Biene im Wasser. Tja, und seither ist mir dieser Fund nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Immer wieder fragte ich mich, was das wohl war? Seit heute weiß ich es: die Wallace-Riesenbiene. Aus meinem Gedächtnis hatte ich die Biene in einer Körperlänge von 3,5 cm und einer vermuteten Flügelspannweite von 8,5 cm gezeichnet. Allerdings ist meine Biene etwas “hummelartig” ausgefallen, sie kam mir insgesamt recht dick und breit vor.

…ich würde ganz bestimmt davonlaufen!

Blick fürs Detail

Jetzt werden vielleicht manche sagen, das kann auch was anderes gewesen sein. Nein, ich meine nicht, denn ich habe einen guten Blick fürs Detail und kann das in Erinnerung gut abspeichern. So weiß ich zwar, dass ich die groß ausgebildeten Mundwerkzeuge der Wallace-Biene nicht gesehen habe, aber das ist logisch. Die Biene lag mit dem Rücken nach oben, zusammengefallen, im Sand, war also auch ein klein wenig in den nassen, weichen Sand eingesunken, so dass ich dieses Detail nicht sehen konnte. Dagegen weiß ich noch, als sei es gestern gewesen, wie sehr mich die riesigen Augen faszinierten. Und genau die sind auf den zu findenden Abbildungen gut zu sehen.

Kleine Zeichen für den großen Sinnzusammenhang im Leben

Für mich sind solche Ereignisse auch immer etwas Besonderes, weil sich damit sozusagen Kreise in meinem Leben schließen. Ich sehe darin Zeichen, die mir bestätigen, dass auch das je eigene Leben kein sinnloses Durcheinander ist, sondern eher wie eine Erzählung, deren Inhalte sich erst in späteren Kapiteln aufschließen und zu einem Ganzen fügen. Momentan tut mir das sehr wohl und plötzlich fühle ich wieder Energie und Zuversicht, dass ich genau auf dem richtigen Weg bin.

Ganz abgesehen davon ist es natürlich eine interessante Koinzidenz, dass diese Sichtung mehr oder weniger zur Zeit des Volksbegehrens “Rettet die Bienen” stattgefunden hat. C. G. Jung lässt grüßen!

Wer war Wallace und wieso heißt die Biene so?

Schön an der Geschichte finde ich auch, dass die Wallace-Biene nach ihrem Entdecker Alfred Russel Wallace benannt ist. Wallace ist derjenige Naturforscher, der damals parallel zu Charles Darwin die heute geltende Evolutionstheorie entwickelte. Dass heute Darwin in aller Munde ist, liegt einfach nur daran, dass Darwin der wohlhabende Schreibtisch-Naturforscher war, der über die besseren akademischen Beziehungen verfügte. Der Clou ist, dass Wallace, der sich – als ihm die Evolutionstheorie schlagartig aufging – im Amazonasgebiet aufhielt, sein Manuskript sogar zuallererst an Darwin schickte, weil er selbst keine “connections” hatte und seine bahnbrechende Entdeckung unbedingt veröffentlichen wollte. Wallace, der weniger betucht als Darwin war, musste sich als sogenannter Fliegenfänger sein Geld verdienen. Diese Fliegenfänger fingen damals enorme Massen an Vögeln, Käfern, Schmetterlingen etc., damit die aristokratischen Schreibtisch-Forscher in Großbritannien und anderswo Studienobjekte erwerben und sammeln konnten. Wenn Euch dieses Kapitel der Geschichte interessiert, ist das ganz wunderbar nachzulesen am Anfang von Tom Wolfes “Das Königreich der Sprache”. Köstlich!

Info-Links zum heutigen Blogpost:

Die größte Biene der Welt wurde wieder gesichtet!
Wallace-Riesenbiene: Die größte Biene der Welt ist wieder da