Die Liebe zum Kleinen

Immer schon war ich fasziniert vom Kleinen, von jenen Dingen und Lebewesen, die sich uns nicht aufdrängen, sondern entdeckt werden wollen. Dass dies immer schon so war, wurde mir bewusst, als ich vor circa 12 Jahren die Gänge des Naturhistorischen Museums in Wien entlang ging und im Saal der Insekten landete. Ursprünglich galt damals mein Interesse kirchenmalerbedingt mehr dem Kunsthistorischen Museum, aber irgendetwas trieb mich zur Naturkunde an jenem Tag.

Apollo_MandalavisionKindheitserinnerung

Da stand ich, längst erwachsen, staunend vor den Glaskästen mit den wundervollen Geschöpfen, die wir Käfer und Schmetterlinge nennen. Unerwartet kam ich wieder in Kontakt mit dem Kind in mir, das früher in den geliebten Ferien im Bayerischen Wald Käfer und anderes Getier unter die Lupe nahm, durch Felder und Wiesen streifend. All das hatte ich fast vergessen, aber auf einem alten Dia ist es dokumentiert und in einem dieser dicken Grzimek-Bände meiner Eltern sind Raupenfotos zu finden, die ich als Kind geknipst hatte, um sie anschließend zu identifizieren. Dann ist dieses Interesse abgetaucht für viele Jahre.

KäferMix_Zitat

Käfermädchen

IMG_20170425_202244Allerdings kann ich mich ebenfalls erinnern, dass ich Ende der 90er Jahre einmal einen Alpenbock-Käfer – schöner: Rosalia Alpina – unerwartet auf meinem Schenkel sitzen hatte und mich furchtbar erschrak. Wie gelähmt war ich, weil mir dieser riesige Käfer Besuch abgestattet hatte und sich mit seinen Beinchen an meiner Jeans festhakte, als wolle er gar nicht mehr loslassen – wahrscheinlich hatte er sich extra mich auserkoren! Heute muss ich darüber schmunzeln und bedaure rückwirkend, dass ich damals nicht erkannte, welches Geschenk der Natur es war, dass sich dieser wunderschöne und seltene Käfer auf mir niederließ.

Insektenforscher?!

IMG_20170425_192346Ich denke mir manchmal, wenn ich nochmal wählen könnte, würde ich vielleicht Biologie studieren und Insektenforscher werden. Aber ob das wirklich etwas für mich wäre? Zum Glück gibt es die wunderbaren Bücher von Dave Goulson, einem in England forschenden Biologen. Diese Bücher liebe ich und sein Buch über die Hummel mit dem Titel „Und sie fliegt doch“ hatte ich letztes Jahr im Blog bereits vorgestellt (siehe Eintrag vom 5. Mai 2016).

Wissens- und Staunenswertes über Insekten

Dave Goulson lädt seine Leser auf äußerst interessante und amüsante Art ein, mit ihm durch Wiesen und Flur zu streifen und dabei aus dem Staunen über das wundersame Leben der Insekten gar nicht mehr herauszukommen. So habe ich kürzlich mit großem Genuss sein Buch „Wenn der Nagekäfer zweimal klopft“ gelesen und kann es allen Naturbegeisterten wärmstens ans Herz legen! Nicht nur erfährt man viel Wissens– und Staunenswertes über Insekten, ebenso zeigt Dave Goulson, wie respektlos und verantwortungslos wir mit unserer Umwelt aus Profitgier und menschlicher Überheblichkeit umgehen. Er öffnet die Augen dafür, wie unglaublich komplex und vernetzt unser aller Leben ist. Und für mich steht fest: Insekten waren Jahrmillionen Jahre vor uns da und sind die „intelligentere“ Spezies. Wollen wir es sein, haben wir es erst noch zu beweisen, falls wir uns bis dahin überleben…

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Meine Buchempfehlungen zum heutigen Blogpost:

Und noch ein Filmtipp, der mir gerade dazu einfällt:

  • „Der Tag, an dem die Erde stillstand“, Neuverfilmung 2008 des gleichnamigen Films von 1951, basierend auf der Erzählung „Farewell to the Master“ von Harry Bates