Die Harmonie des Universums*

Mein heutiger Blogtitel ist zugleich Titel des Buches, das ich mit großer Begeisterung las. Wie schon neulich in meinem Blogpost berichtet, entdeckte ich zufällig in der Buchhandlung „Die Harmonie des Universums“ von Dieter B. Herrmann. Bei Büchern wird bei mir ausnahmsweise nicht nach dem Kontostand entschieden, sondern nach dem dringenden Bedürfnis, das Buch zu lesen.

Geliebte Symmetrie

Die Anschaffung hat sich gelohnt, denn mit diesem Buch fiel mir genau DAS Buch in die Hände, das ich hoffte zu finden, als ich vor nicht allzu langer Zeit Lektüre zum Thema Symmetrie gesucht hatte. Denn der Leitgedanke der Harmonie, der schon Pythagoras, Platon, Demokrit, Ptolemäus und Kepler leitete, leitet auch so manchen modernen Wissenschaftler, allerdings seit dem 19. Jahrhundert als mathematischer Symmetriebegriff.

Viele Denker vereint

Dieses Buch ist ein wunderbarer Fundus, denn es bietet einen umfassenden geschichtlichen Überblick aller Denker, die ihre Erkenntnisse vor allem deshalb erhielten, weil sie sich von der Überzeugung leiten ließen, dass Wahrheit mit Harmonie/Symmetrie verbunden ist. In diesem Buch begegnete ich also auch vielen Denkern wieder, über die ich schon einzeln gelesen hatte. Natürlich ist auch Einstein mit einer schönen Anekdote dabei: Auf die Anmerkung eines Kollegen, dass seine Theorie falsch sein müsse, weil die Messungen ein anderes Ergebnis lieferten, erwiderte Einstein: „Ich habe die Theorie noch einmal angeschaut. Die Gleichungen sind so schön, so symmetrisch. Ich bin zufrieden damit, sie müssen richtig sein.“ (S. 183) Eine Woche darauf schrieb der Kollege, dass die Messungen falsch waren..

Wieso ist unsere Welt nicht symmetrisch?

Eine Frage, die mich selbst natürlich auch immer wieder bewegt, weil ich ja geradezu „symmetriebesessen“ bin und die These vertrete, dass die Mandalastruktur die symbolische Brücke zwischen Spiritualität und Wissenschaft ist, ist die Frage: Wieso ist dann die Welt nicht symmetrisch, wieso ist sie nicht harmonisch? Letztendlich, so denke ich mir, gäbe es die Welt nicht, wenn sie vollkommen harmonisch wäre. Und hier war das Buch besonders interessant, da Dieter B. Herrmann darauf am Ende des Buches eingeht. Anhand moderner Forschungsergebnisse zeigt sich, dass „fehlende Symmetrie in der uns umgebenden Realität nicht bedeutet, dass es keine Symmetrie gibt, sondern dass sie möglicherweise nur verborgen ist“. (S. 212) Allerdings weist der Autor auch darauf hin, dass die Rolle der Symmetrie in der Natur keineswegs geklärt ist.

Fehlender Überblick

Meine These ist, dass wir die Harmonie oder Symmetrie der Welt nicht erkennen können, weil wir die Welt an sich nicht überblicken können von unserem begrenzten Standpunkt aus. Stünden wir an einem winzigen Punkt im Mandala, dann sähen wir vielleicht bis zum nächsten Farbfeld, aber das ganze Mandala in seiner Gesamtheit könnten wir niemals sehen. Nur ahnen oder intuitiv erfassen könnten wir vielleicht das ganze Bild, weil wir Teil davon sind und uns die Struktur letztendlich ebenfalls einbeschrieben ist. Genau das passiert meines Erachtens bei jenen blitzartigen, unerwarteten Erkenntnissen, die Denker und Wissenschaftler plötzlich zu neuen Entdeckungen führen. Und genau das ist auch die Überleitung zum nächsten Buch, das ich heute anfing zu lesen: „Die aufschimmernde Nachtseite. Kreativität und Offenbarung in den Naturwissenschaften“ von Ernst Peter Fischer. In diesem Buch wendet er sich einem Bereich zu, der in unserer einseitig rationalen Gesellschaft allzu gern verdrängt wird. Der unsichtbare Bereich, das Dunkle, die „Nacht“, das in uns Verborgene und Wirkende ist auch dem Menschen des 21. Jahrhunderts unheimlich…

Meine Buchempfehlungen zum heutigen Blogpost:

„Die Harmonie des Universums. Von der rätselhaften Schönheit der Naturgesetze“,
Dieter B. Herrmann

„Die aufschimmernde Nachtseite. Kreativität und Offenbarung in den Naturwissenschaften“,
Ernst Peter Fischer