Alle meine Dinge

Manchmal, in meinen Tiefs – die ich habe, obwohl ich sie natürlich nicht haben dürfte in einer Welt, in der man nur erfolgreich sein kann, wenn man ständig seine Gedanken auf die eigene Wichtigkeit trimmt und dies stündlich und minütlich am besten auf irgendwelchen Social-Media-Seiten postet, um auch die anderen vom Leben als Gipfelstürmer zu überzeugen – naja, ich gebe zu: ich habe Tiefs und davon jede Menge. Und ich habe momentan überhaupt keine Lust, mir selbst etwas vorzuspielen und teilzunehmen an der Fake World, in der wir leben: Wo alle happy und erfolgreich sind oder sich anhand Transformationstherapien im Handumdrehen erfolgreich machen. Wo nur die absoluten Verlierer den ganzen Tag zuhause im Schlafanzug verbringen – oder wenn, dann bitte gestylt im Designer-Schlabberlook als Influencer, weil man auch dafür noch Geld kassiert und erfolgreich ist.

Meine Therapie

Gerade eben habe ich bemerkt, dass ich eigentlich doch Materialist bin, obwohl ich den Geist hochschätze und für mich nicht nur Dinge zählen, die ich sehen kann. In Momenten wie diesen hilft mir oft der Blick auf alle meine Dinge, die hier zuhause stehen und die ich liebe; die ich mir liebevoll zusammengesammelt oder geschenkt bekommen habe; die ich wertschätze, weil ich sie mir nicht jeden Tag kaufen kann und weil sie eine Geschichte haben, die es nicht zu kaufen gibt.

Man sollte auch mit nichts glücklich sein

Buddhismus und Zen in allen Ehren, aber ich gestehe: ich liebe alle meine Dinge und es wäre schlimm für mich, auf sie verzichten zu müssen. Und auch das ist etwas, was ich immer wieder beobachte: Menschen, die davon erzählen, sie seien mit nichts glücklich und dann in wunderbaren Häusern oder Wohnungen mit exklusiver Einrichtung und vielen zusammengesammelten Lieblingsstücken wohnen und in Magazinen abgebildet sind. Oft sind es gerade sie, die Besitzlosigkeit predigen und als Guru für die vielen im Schlafanzug fungieren, die am besten auch diesen noch abgeben sollten, um endlich Frieden und Glück zu finden.

Ich brauche meine Dinge, um bei mir zu sein

Ich jedenfalls brauche diese Dinge um mich herum, wenn ich in so einem No-Go-Tief bin. Mir tut es gut, wenn mir Leo am Schreibtisch Gesellschaft leistet und mir meine Bücher wie gute Freunde im Regal bei Seite stehen; wenn meine Pinsel und Farben zusammen mit gesammeltem Werkmaterial und bunte Kartons voller Dinge still beobachten, was ich tue. Für mich sind Dinge nicht einfach nur Dinge, sie sind beseelt. Wenn ich mir etwas kaufe, sagen wir mal einen neuen Glasvogel für den Christbaum, dann ist das nicht nur irgendein Ding, das beliebig austauschbar ist. Oft geht es mir dann so, dass mir vielleicht ein Detail nicht so gefällt, aber ich bringe es nicht übers Herz, diesen Glasvogel in meiner Hand zurückzulegen, weil es mir vorkommt, als sei er glücklich, endlich ein schönes Zuhause zu bekommen. Manchmal ist es sozusagen “Liebe auf den ersten Blick”.

Seid Ihr erwachsen, ich bin es nicht!

Das wird von vielen belächelt und nicht ernst genommen. Aber im Grunde tun mir diese Menschen leid, weil sie innerlich abgestorben sind und für sie ein Ding wie das andere ist. Für mich nicht, für mich trägt alles den Zauber des Moments in sich. Und genau das mag ich auch so sehr an meinen Mandalas: sie fangen jeweils eine bestimmte Zeitqualität ein. Manchmal kommt diese Qualität in merkwürdigen Farben zum Ausdruck, die mir nicht besonders zusagen, die ich manchmal sogar gar nicht mag. Kein Mandala ist wie das andere, jedes ist einzigartig: “auf die Welt gekommen” in einem bestimmten Moment wie wir Menschen auch.

Ein schöner Film, der mir gerade dazu einfällt:

Mr. Magoriums Wunderladen (mit Dustin Hoffmann und Natalie Portman)

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